Die Schwierigkeit, Mensch zu sein

Wir stehen als Menschen immer wieder vor sehr wiegenden Fragen wie „Was hat das alles (noch) für einen Sinn?“ Aber es gibt auch einfache Fragestellungen wie „Warum ich sonntags in die Kirche gehen und den Herrn um Gnade anflehen soll“, wo doch schon durch reine Beobachtung zu erkennen ist, das Gebete und Bitten in der Regel vom Himmel nicht beantwortet oder gewährt werden. In nahezu allen Religionen der Welt sind Gebete und Fürbitten Gang und Gebe, und in den seltenen Fälle, wo selbige tatsächlich auch eingetreten sein sollen, könnten es auch zufällige Treffer gewesen sein, so etwas wie ein Lottogewinn, unwahrscheinlich zwar, aber nicht unmöglich und sicherlich nicht bewusst planbar.

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Gedankensplitter, Teil 01

Hier in diesem Artikel und unter dieser Überschrift finden sich in unzusammenhängender Form Gedankensplitter zusammen, die zu kommunizieren oder zu veröffentlichen in einem Artikel nicht genügend Tiefe und Umfang besitzen und die mir so in den Kopf schießen, einfach, weil ich jemand getroffen, mit jemand geplaudert, etwas gelesen oder mit etwas konfrontiert wurde, ohne das sich daraus einschneidende Wirkungen für mich ergeben haben. Ich beschäftigte mich nur eine Weile mit diesen Gedanken, ohne Entscheidungen fällen, Maßnahmen einzurichten oder mein Lebensgefüge beeinträchtigt zu sehen. Sie bringen nur zusätzliche Klarheit in mein Denken, weil sie mich nötigen, bisher Unausgesprochenes in Worte zu fassen. Es sind einfach nur in sich abgeschlossene Gedankengänge ohne größeres Wirkpotential für meine Zukunft und Gegenwart.
Da es viele dieser kleinen Gedankengebäude gibt, die durchaus Stoff für eine Weitergabe haben, werde ich hier künftig jeweils so vier bis sechs Beschreibungen unter dem Motto „Gedankensplitter“ – bekommt eine eigene Kategorie – einstellen.

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Innerer Widerstand, ritueller Raum, Funktionalität und Entspannung

In meiner Weltanschauung ist eine wichtige Beobachtung, das viele Räume der modernen Lebensgestaltung 1 mit Stress einhergehen und dieser Stress hauptsächlich und massiv mit einem kulturell erzeugten inneren Widerstand verbunden bzw. verursacht wird. Dieser innere Widerstand kommt nicht von außen auf den Menschen zu, sondern ist ein selbstgemachtes eigenes Verhalten, das zwar normal sprich üblich zu sein scheint, aber doch immer noch als gestaltbar verbleibt, da es sich um eine geistige Erscheinung handelt.

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  1. Arbeit, Freizeit, Spiritualität, Familie, Versorgung ↩
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Was stimmt nicht mit unserer Gesellschaft?

Was stimmt nicht mit unserer Gesellschaft?

Haben Sie die Frage der Überschrift jemals ernsthaft gestellt? Ist Ihre Antwort: Ja? Schon? Aber ich habe nicht soviel Zeit, mich zu informieren oder selbst nachzuforschen. Außerdem ist dieses Thema doch zutiefst frustrierend und würde meine Arbeit-Leben-Ausgewogenheit (Work-Life-Balance) in Unordnung bringen. Oder wäre sie sogar so zu formulieren: Ich verstehe die Zusammenhänge einer Gesellschaft eigentlich nicht. Ich wurstele mich daher einfach so durch, versuche nicht unangenehm aufzufallen und begnüge mich darauf, meine Wahlzettel auszufüllen und meine Steuern zu bezahlen? Das, so würde ich urteilen, wenn ich eine Antwort geben müsste, wären zumindest ehrliche Antworten, die durchaus eine vernünftige Grundlage aufweisen. Bisher blieb mir eine solche Antwort erspart. Unvernünftig allerdings wäre es meiner Ansicht nach, die oben genannte Frage gar nicht gestellt oder deren Inhalt vielleicht sogar noch nicht einmal bemerkt zu haben.

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Hass, Phobien, Sittengewalt und Abneigungen allerorten

In den letzten Tagen und Wochen wurde ich des öfteren mal gefragt, was ich denn von der ganzen Sache mit der Weltlage, Trump, Putin, Israel, China, Iran, Ukraine, den damit verbundenen Kriegen und Krisenherden und den Hintergründen dazu halte. Nun kann oder könnte ich darauf durchaus ausweichende oder standardisierte Antworten geben, denn es gibt sie zuhauf, diese vorgegebenen und vorgesetzten Sichtweisen, die sich immerzu wiederholende Merksätze enthalten. Alle Medien der ganzen Welt verbreiten diese Tag für Tag ohne Sinn und Verstand. Sie sind aber perspektivisch ausgerichtet und können daher nicht dazu dienen, die Wirklichkeit zu erkennen oder auch nur etwas Konsens oder gar Frieden herzustellen. Auch gibt es für diese Machwerke in meiner Wahrnehmung weder Gründe noch Fakten noch sind mir irgendwelche Vorkommnisse bekannt, die selbige stützen könnten. Aus meiner ganz persönlichen Sicht ist die Lage im Prinzip sehr einfach. Weder die Ukraine noch Russland, weder Israel noch die Bewohner des Gazastreifens und Irans haben mir etwas getan oder hätten einen Grund, mir etwas anzutun. Auch habe ich weder mit den Staatsmännern/-frauen dort Streit oder große Meinungsverschiedenheiten, denn Meinungen sind in meiner Definition zwar komplexe, aber irreale Ansichten, die heute schon keinerlei Grundlage mehr zu haben brauchen. Und daher verspüre ich zu von mir abweichenden Meinungsvertretern weder Hass noch Abneigung. Trump oder Putin, auch Erdogan oder Xi, auch Merz oder Pistorius haben mir nichts getan. Ich habe diese Herren auch noch nie getroffen, nie mit ihnen diskutiert oder ein Glas getrunken. Das sind für mich sechs Menschen unter 8 Mrd. anderen. Warum sollte ich also den einen oder anderen davon hassen, bewundern oder sogar lieben?

Was mich wundert ist die Wahrnehmung, das viele Menschen meiner Umgebung anders denken und ihre Abneigung bzw. ihren Hass unverhohlen zur Schau stellen. Dabei geht es diesen doch meist wie mir. Keinem von ihnen hat je einen dieser gehassten Männer getroffen oder hatte eine Möglichkeit, sich über sie ein eigenständiges Bild zu machen. Was sie kennen können sind lediglich die Erzählungen anderer Menschen, die überwiegend über Medien transportiert werden, die zumeist aus ihrer eindimensionalen Ausrichten keinen Hehl machen. Nun stehen diese Männer ja an der Spitze eines Staates und müssen nun einmal Entscheidungen treffen. Die Gründe dazu liegen aber für das Volk nicht immer klar und unübersehbar auf dem Tisch. Im politischen Raum verbleibt vieles im Dunkel der Geheimhaltung, im Dunkel der Umstände und zusätzlich noch im Dunkel interner Konflikte in den Entscheidungsgremien. Entscheidungsträger sind immer dem Gewirr der sie umgebenden Meinungsträger ausgesetzt. Oftmals treffen sie daher Entscheidungen, für die sie keine Alternative sehen, weil sie vielleicht aufgrund ihrer Kultur stark auftreten müssen, weil das von ihnen erwartet wird, weil sie es im Wahlkampf versprochen haben oder nur deshalb, weil andere mit weniger Skrupel sie ablösen könnten und so Entscheidungen getroffen würden, die vom von ihnen als falsch oder gefährlich angesehen würden. Sie treffen Entscheidungen, die für viele Mio. Menschen Konsequenzen haben, müssen daher abwägen und oftmals auch das kleinere Übel befürworten. Ich beneide keinen dieser Herren um ihre Posten in den momentan schwierigen Zeiten.

Dann sind die genannten ja nie allein unterwegs, sondern hinter ihnen stehen Mio. von Menschen, die auch Ansichten haben. Ich sagte es bereits: Eine Ansicht ist nahezu immer irreal, weil selten bis nie alle Fakten auf dem Tisch liegen werden. Was die breite Masse weiß, ist das Werk weniger Schreiberlinge in irgendwelchen Medienhäusern, die den Anweisungen und Regeln unbekannter oder verborgener Herkunft folgen. Sie legen Ereignisse und Fakten so aus, wie ihr Auftragsgeber es wünscht oder vorgibt und keiner davon ist in irgendeiner Art und Weise der „Einen Wahrheit“ verpflichtet, da selbige wohl stets „unbekannt“ ist und das wohl auch so bleiben wird.

Kennen Sie die Hintergründe des Ukraine-Krieges und alle Umstände, die zu diesem hasserfüllten Töten geführt haben? Wie steht es mit dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern bzw. der Hamas? Erkennen Sie die Gründe? Und wie steht es mit dem Krisenherd Taiwan und den Kontrahenten USA und China? Und das ist ja nicht alles, was so in der Welt geschieht. Wie steht es um den Konflikt USA/Kuba, wie mit dem Konflikt USA/Venezuela, wie mit dem Konflikt Israel/Iran, wie mit USA/Iran, wie mit dem endlosen Konflikt Pakistan/Indien, wie mit den Bürgerkriegen in vielen anderen Ländern? Und sind kriegerische Auseinandersetzungen die einzigen Krisen und Konflikte, über die es sich zu reden lohnt? Es scheint so, denn viele kleinere Geschehnisse auf der Welt werden erst gar nicht erwähnt in den allgemeinen Nachrichtenströmen. Wen interessieren neben den vielen Millionen Toten der Kriege die anderen Gewalterscheinungen? Wen interessieren die 30000 Morde in den USA jedes Jahr, die ebenso großen Opferzahlen in in den Staaten Latein-Amerikas, wen die hungernden Menschen in Sudan? Im Mittelmeer südlich von Europa ertrinken jeden Tag dutzende Menschen. Haben Sie schon mal die Zahlen der Suchtkranken und Suchtopfer der ganzen Welt studiert? Da bekommen sie allein schon für die USA das Grauen pur. Ich höre jetzt auf mit der Aufzählung. Es sollte klar sein, was ich auszudrücken versuchte. Kommen ihnen die innerdeutschen Probleme angesichts des Gesagten nicht auch ziemlich lächerlich vor? Das Geschehen vor der eigenen Haustüre und auf dem eigenen Konto ist halt immer näher als der Tod am anderen Ende der Welt, werden Sie sagen, aber auch das ist nicht neu.

Die politisch wirtschaftliche Perspektive: Worum geht es in den aktiven und wirtschaftlichen Kriegen der heutigen Welt? Ist es nicht so, das es überwiegend nur um die Frage geht, wer innerhalb der Staatengebilde über die Verteilung der Mittel, die erwirtschaftet werden/wurden und die Nutzung der Ressourcen bestimmt, die das Land zu bieten hat. Das ist doch nicht neu und war schon immer so. Schwierig aber wird die Lage immer dann, wenn grundlegende kulturelle Gewohnheiten wie Sprache, Religion, Mentalitäten und Volksgewohnheiten von der regierenden oder bestimmenden Seite in Frage gestellt und vereinheitlicht werden sollen. Ein weiterer Grund für Probleme kann die Korruption sein, die entsteht, wenn eine Volksgruppe allein die Regierungsverantwortung bekommt und beginnt, die anderen Volksgruppen zu benachteiligen. Auch eine geopolitische Ausrichtung, also die Neigung, sich einem der großen weltweiten Blocks anzuschließen, kann innerstaatlich zu Kontroversen führen, die nicht nur zum Bürgerkrieg, sondern bis zum Krieg der beteiligten Blockstaaten führen können. Zur Zeit haben wir zwei Staaten, in denen all diese Gründe stark hervortraten und die genau zu den angesprochenen kriegerischen Ereignissen geführt haben. Auch die Versuche, durch autonome Regionalverteilungen die angegebenen Problemstellungen zu lösen, haben nicht immer zum friedlichen Leben geführt. Und selbst in den hochentwickelten Staaten führen Sprachunterschiede, Volksgruppenzugehörigkeiten und Religionen zu steten Überdruss. Ich verweise auf Kanada, Spanien, GB, Türkei, und andere Staaten. Und auch das heutige Deutschland ist nicht frei von solchen Problemstellungen. Viele Einwanderer haben ihre Kultur mitgebracht und beharren nachdrücklich auf deren Ausübung. Und stellen sie sich vor, die Bayern oder die Friesen müssten ab sofort Hochdeutsch reden und würden bei Missachtung desselben mit Renteneinbußen bestraft. Wie groß würden die Aufstände wohl ausfallen, und könnte die Bundeswehr diese gewaltsam beenden, ohne die Einheit des Staates in Frage zu stellen? Ich habe da meine Zweifel. Mit der Toleranz gegenüber anderen Gesellschafts- und Lebensvorstellungen sieht es auch bei uns heute bei Weitem nicht rosig aus. So viel ist gewiss.

Die religiöse Perspektive: Betrachten wir das Lebensgefüge der großen Religionen, gibt es nicht mehr „die religiöse Perspektive“, sondern jede der großen Religionen besitzt eine eigene. Jedoch gibt es zwei unterschiedliche Hauptgruppen, in sich nahezu alle Religionen teilen lassen. Nahezu alle Religionen sind vereint durch ihre Grundlage, die jeweils auf überlieferten Geschichten beruhen. Ob diese erzählt weitergegeben oder geschrieben weitergegeben werden, ist dabei relativ unerheblich. Wichtig ist nur die Auslegungen der Schriften und Erzählungen. Diese kann entweder materialistisch sprich wortwörtlich, fleischlich oder aber geistig, sprich esoterisch, spirituell ausgelegt werden. Meist gehören die in Kirchen und Gemeinschaften organisierten Anhänger der ersten, die sich frei und unorganisierten Anhänger der zweiten Gruppe an. Eine weitere Unterscheidung ist die Fragestellung oder Grundannahme des jeweiligen menschlichen Seins, mit der die Religion Zugang zu ihren Anhängern findet. Beim Buddhismus ist die Fragestellung: Was ist und wie überwinde ich Leiden. Beim Hinduismus ist die Ausgangslage: Was ist für mich Gott und wie kann ich ihn verehren/für mich gewinnen? Das Christentum, das Judentum und der Islam bemühen die Grundhaltung: Als menschlicher Sünder komme ich nur dann ins Paradies, wenn ich die Gesetze der überlieferten Offenbarung befolge. Tue ich das nicht, werden ich Verdammnis und Bestrafung ernten. Die Naturreligionen verehren die Sonne, die Sterne und Tiere, die Ihnen Nahrung oder Reichtum garantieren. Damit sie wieder aufgeht morgen, damit sie weiterhin die Zukunft beleuchten und uns weiterhin zur Verfügung stehen, werden ihnen Opfer, Anbetung und Zuwendung entgegen gebracht. Und weiterhin gibt es Toten- und Ahnenkulte verschiedenster Art, die entweder für sich allein oder als Zugabe zu einer der großen Religionen gepflegt werden. Alle materialistischen Religionen versuchen, ihren Anhängern ein festes und sicheres Seinsgefüge zu vermitteln und sie so durchschaubar sprich gesellschaftsfähig zu machen. Die spirituellen Ausrichtungen, die es allein oder innerhalb aller Religionsformen gibt, empfinden diese festen Gefüge als Gefängnis und proklamieren daher ein mehr eigenständiges und gestaltbares sprich freiheitliches Weltgefüge, das trotzdem in festen, aber weiter ausgestalteten Mauern ruht. Allen Religionen ist gemeinsam, das ihre Basis auf einem unhinterfragten Glauben beruht. Der Lohn des Glaubens ist dann das Paradies, das Nirwana und der Einzug in ein ewiges Sein. Durch Gebet, Ritual und Anbetung wirke ich dabei auf auf Gott, Götter, Schicksalsgeber und Ahnen ein und erbitte Segen und Wohlwollen. Nahezu alle Gesellschaften der Welt beruhen auf solchen Glaubensgrundsätzen in mehr oder weniger engen Rahmen. Auch die, die vorgeben, nicht zu glauben, leben in ihrer Gemeinschaft mit Glaubenden trotzdem innerhalb dieser Rahmen der Überlieferungen.

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Haben Sie Angst vor der Zukunft?

Ich wiederhole die Frage: Haben sie Angst vor der Zukunft, also vor dem, was am nächsten Morgen, in der nächsten Woche, im nächsten Monat oder nächsten Jahr passieren könnte? Das ist irreal, denn die Zukunft, egal wie lange sie vorausgesehen wird, ist unbestimmt und vollkommen offen. Das heißt nichts anderes, das es diese sogenannte Zukunft nicht gibt. In Wirklichkeit haben wir keine Angst vor einer wie immer gearteten Zukunft, das ist ein Phantasiegebilde, meint die Philosophie, sondern vor den unabsehbaren Folgen unserer eigenen Handlungen, vor den Handlungen der vielen anderen Menschen, die wir weder kontrollieren noch voraus sehen können und einer natürlichen Neigung unseres Planeten, unvorhersehbare Veränderungen in der Oberflächengestaltung und seiner Biosphäre zuzulassen.

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Reflexionen über Autobiographisches

Ich will über das Wissen und Denken schreiben, das mich prägt. Dazu gehört die Rolle des Einzelgängers, der ich nie sein wollte und die mir sozusagen aufgezwungen wurde. Diese Entwicklung ist im Exkurs Mobbing, Bossing und Einzelgängertum autobiographisch am Anfang schon beschrieben. Familie, Ausbildung, Arbeitswelt und Freundeskreise sind die prägenden Motive der Seins-Ausrichtung heute. In Vergessenheit geraten zunehmend die Glaubensfragen der Religion, in die hineingeboren des Menschen Los ist als auch die gesellschaftlichen Ausrichtungen, die mit den Stichworten Gesinnung und Ideologie beschrieben und zusammenfassend als Weltsicht gelesen werden können.

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Unwissen und dessen Bezug zu Freiheit

Wenn wir heute die Zeitungen und Medien aufschlagen werden wir immer mehr damit konfrontiert, das Viele meinen, das alleinige Wissen über richtig und falsch zu besitzen. Dabei ist unser Wissensstand auch heute noch derart eng gestrickt, das man sich wundern muss, warum unser Lebensgefüge noch immer einigermaßen funktioniert. Erinnern Sie sich beispielsweise noch an das Wort „alternativlos“? Keine von Menschen in Bezug zur Politik getroffene Entscheidung ist alternativlos. Politik ist kein feststehendes Subjekt mit einem absoluten Geltungsrahmen. Auch wenn ich zur Zeit keine weitere Möglichkeit sehen würde, weiß ich doch nicht, ob sich schon morgen andere Möglichkeiten auftun. Und so verhält es sich auch in vielen Teilen der Wissenschaften und des gesicherten Wissens.

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Eine EINSICHT fürs 70te Lebensjahr

An einen Wochenende des Allein-Seins, meine Partnerin war am Wochenende nicht zu Hause, bemerkte ich zum ich weiß nicht zum wievielten Mal schon, aber selten so deutlich, das das Leben, so wie ich es führte und es gewohnt war zu leben, nicht so ausgeglichen und frei war, wie ich es mir dachte. 1 Und das hatte wohl mit der Gewohnheit zu tun, feste immer wiederkehrende Tätigkeiten auszuführen. Das geht vom Aufstehen zur gewohnten Zeit, der Einnahme meines Morgenkaffees verbunden mit der Lektüre der aktuellen Nachrichten und den darauf folgenden vier Meditationsrunden. Das Vormittagsprogramm erstreckt sich somit über ca. 5 Stunden. Danach beginnt das Warten auf die Mittagspause meiner Partnerin aus dem Home-Office 2, um gemeinsam das Mittagessen einzunehmen. Wenn sie dann wieder ihren Arbeitsplatz zu Hause aufsucht, beginnt der kleine immer wiederkehrende Anteil an Hausarbeit. Beginnend mit Ab- und Aufräumen der Reste der Mittagspause, der Müllentsorgung und der Aufgabe, leere Wasserflaschen in den Keller und gefüllte Flaschen mit nach oben zu bringen. Ab und an ist dann meine Wäschetonne voll und Waschen und Aufhängen ist angesagt. Hier und da sind dann noch Besorgungen zu machen, um Kühlschrank und Vorratskeller auf dem Stand zu halten. Das alles ist eingebettet in einen dichten Terminkalender, der durch meine Nebentätigkeit des Unterrichtens von Yoga und Gymnastik gestaltet ist. Das ist das einzige Element, das den bereits genannten Zeitplan zu konterkarieren vermag. An einem Wochentag verbringe in den Vormittag in der Turnhalle, An vier Tagen bin ich am frühen Abend für Unterricht unterwegs, dazu kommen ein Massagetermin, Amts- und von Zeit zu Zeit auch Arzttermine. Dazu gibt es kleinere feste Termine, darunter zwei Vormittage für die monatlich zweimalige Seniorenwerkstatt und hier und da eine Stunde mit Einzelunterricht. Und natürlich kommen für mich Zeiten des Lesens dazu, wobei Sachbücher über Politik, Philosophie und Meditation das Gros stellen. Die Reste der Abende verbringen meine Partnerin und ich dann gemeinsam. Irgendwann so gegen Mitternacht ist dann Bettruhe angesagt, und am morgen beginnt der Trott von Neuem. Nun gut, das klingt nach einem gut ausgefüllten Leben, ist es gefühlt aber nicht, oder…? Das ist die Frage, die es zu beantworten gilt.

Warum kommt diese Frage auf? Nun, für die Zeiten des Unterrichts ist die Rolle des Übungsleiters vorherrschend. Nach vielen Jahren Übung in diesem Metier geht das mehr und mehr ohne großes Nachdenken und Planen-müssen vor sich. Das gilt auch für die Hausarbeiten, den Massagetermin und das Einkaufen. Überhaupt scheint außer den Urlaubsreisen so ziemlich alles in Routinen abzulaufen, selbst das Lesen macht da keine Ausnahme. Lediglich zwei oder drei Autoren stellen da eine Ausnahme, vermochten sie mich doch hier und da zu überraschen und mein Interesse zu wecken. Doch auch deren Bücher sind bald aufgebraucht. Unterhaltungen mit Mitmenschen, die meist am Rande meiner Aktivität auftreten, sind meist sehr spärlich und regen mich selten an, da sie immerzu die gleichen Themen und Problemstellungen beinhalten, Problemstellungen besonders, die sich bei den gleichen Menschen immerzu wiederholen, im Kreise zu drehen scheinen und selten als zielführend sich ausweisen. Die sprichwörtlichen 50 Floskeln, die eine Unterhaltung im Alltag oft zu beherbergen scheinen, beschreiben das meist ausreichend und werden zu meiner immer wiederkehrenden Überraschung von vielen sogar wohlwollend verwendet und aufgenommen. Manche davon verstehe ich zwar nicht, aber so scheint es wohl üblich zu sein. Nun gibt es sicherlich Ausnahmen, aber die sind eher eine Ausnahme als die Regel.

Meine Zeilen bis hier scheinen aufzuzeigen, das meine große Frage mit dem Wort „Langeweile“ durchaus gut beschrieben werden könnte. Vieles von dem, was mich alltäglich erreicht, ist so gewohnt und oft sogar so selbstverständlich, das Denken oder Planen gar nicht notwendig wird. Die Reaktionen erfolgen automatisch und mehr oder weniger ohne mein Zutun. Es bleibt immer weniger hängen, füllt keine der von mir ersehnten Zeiten der Nachdenklichkeit. Lediglich wenn hausintern größere Reparaturen anstehen, wenn Neuanschaffungen notwendig und dazu Recherchen und Besorgungen gemacht werden müssen, ist die Zeit in meiner Wahrnehmung kurz mit Sinn erfüllt. Aber auch diese sind meist begrenzt und nach und nach fallen immer weniger davon an. Mittlerweile halte ich die Erledigung von Aufgaben sogar in der Schwebe, weil nach deren Ende sich die Zeit wieder nicht mehr so recht zufriedenstellend zu füllen vermag. Soweit der Alltag.

  1. Für die, die mich nicht kennen: Ich vollende gerade das sechste Jahr meiner Verrentung, habe gerade mein 70. Lebensjahr angefangen und verfüge über ein ausreichendes (?) bedingungsloses Einkommen namens Rente, für das ich 50 Jahre lang eingezahlt habe. ↩
  2. Neudeutsch für: Zu hause arbeiten… ↩
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Ruhestand und Erinnerung

Da ich selbst mich im Rentenalter befinde, in der Gesellschaft meist recht unauffällig agiere und, zumindest glaube ich das von mir so zu wissen, keine Störungsmerkmale abstrahle, hilft mir das leider nicht bei meinen jetzigen Problemfeld, das sich mit der schlichten einfachen Tatsache beschäftigt, das ich jetzt nicht mehr arbeiten muss, ich ein leistungsfreies Einkommen beziehe (Rente), mit 68 Jahren meine statistische Lebenserwartung noch 10 Jahre beträgt und mir daher so einiges an Identifikationsobjekten wegbricht, an die ich gewöhnt war und über das meine Mitmenschen überwiegend und gerne zu reden pflegen.

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Das Ringen um Freiheit

Das wir in der europäischen Kultur um ein Gut ringen, das wir salopp „Freiheit“ nennen, ist allgemeines Wissensgut und anerkannt. Wissen wir aber auch, was Freiheit eigentlich bedeutet? Ich denke: Nein. Beginnen wir daher einmal damit, was wir heute, 2023, mit dem Begriff der Freiheit verbinden. Da wird jedem, der gefragt würde, zunächst einmal die Staatsform der Demokratie einfallen.

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Haben wir verlernt zu sein?

Haben wir Menschen verlernt zu sein? Immer wenn ich in meinem Garten stehe und unseren fliegenden Mitbewohnern der Welt zusehe, die hier gerade ihren Nachwuchs aufziehen und alle Schnäbel voll zu tun haben, habe ich im hintersten Teil meines Kopfes mein eigenes „In der Welt sein“ im Kopf und ziehe Vergleiche. Und da ich seit meinem Ruhestand sehr viel mehr Zeit zur Verfügung habe, stehe ich des öfteren mal in meinem Garten und schaue.

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Fugen und Welt

Die Welt scheint aus den Fugen, den Baum dort kümmert es nicht, Die Sonne scheint seit dem Morgen, bis sie am Abend sich verbirgt, und auch die Vögel draußen, feiern ihr Fest, freuen sich auf den Frühling, und bauen schon ihr Nest.

Es gibt Streit in fernen Landen, Streit um Macht und Besitz, und hier weit weg vom Schießen, herrscht Angst und Unbehagen, macht Panik sich breit und alle laufen im Kreis, weil sie fürchten zu verlieren, was sich angehäuft in Jahren.

So sind die Menschen, gestern noch aufgrund von Begierde den Kampf herbei beschwören, und heute, verängstigt und verquollen, sich hinter Mauern verstecken und sich nicht hinaus trauen in die verletzliche Freiheit.

Wir gehen immer denselben Weg, erst Tatendurst und Freiheitswahn, dann gesenkter Blick und Zukunftsangst. Und dazu die Stimmen, die niemals verstummen: Ich habe es gesagt, Ich habe es kommen sehen und die Anderen sind Schuld.

Denken liebe Menschen, ist eine Kunst, und es heißt zu bedenken, das auch die Anderen Denken, Und die Kunst derer ist eben nicht so wie die Unsere. Erlauben wir uns Taten, tun andere das auch.

Auch sie kennen Furcht, auch sie kennen Pein, und sie sehen Dinge, die wir verneinen, und wenn wir nicht verstehen, wie es läuft in der Welt, ist es bald schon zu spät, und dann kommt bereuen.

Wenn Hass und Misstrauen sich dann noch verbreiten, und all das Einflüstern greift, wird uns das bald die Vernunft verleiten. So scheint es zu sein, seit langer Zeit, und so wird es noch sein, wenn der Abgrund schon am Horizont erscheint.

Schade, eigentlich.

HS 11.03.2022

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Entbergung

Dem endlosen Murmeln
kurz entsprungen,
erreicht er die Lichtung,
die entbergt und ungesichert
die Wahrheit schauen lässt,
Ihr Name: „Wirklichkeit“.
Die Luft erfüllt
der Duft gebrühten Kaffee‘s.

HpS 02.02.2022

Erläuterungen: Was wäre, wenn das ständige und unaufhörliche Murmeln des Geistes, das ständige Abwägen und Voraussehen, das Nachsinnen und Absichern der Meinung, der Ansicht und dem folgenden Gebaren mal kurz, für einen Augenblick nur, sich auflösen oder in den Hintergrund treten könnte. Würde das Verborgene, das so offensichtlich ist, nicht direkt „vor unseren Füssen“ in Erscheinung treten müssen? Würden wir es sehen können, sehen im Sinne von entbergen 1. Und würde solches Sehen nicht eine Wirklichkeit hervortreten lassen, die so einfach und klar sich darstellt, in der alle Schleier gefallen sind und das wirklich Wichtige hervortritt? Heute war das der Duft von frisch gemahlenem und gebrühten Kaffee, der das Haus durchzog, köstlich duftete und Freude in mir entfachte!

  1. zeigen, erkennen lassen (was verborgen war) ↩
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Grau

Pulsierende Schläfen,
abdunkelnde Gedanken,
nach innen gezogen,
Furchen graben auf der Stirn.

Diese Stimmung,
aus Nichts geboren,
taucht auf im Schein der Sonne,
taucht Welt in düsteres Grau.

Etwas arbeitet,
unbändig und Zorn erfüllt,
besetzt wahllos Ressourcen,
macht Welt schläfrig und leer.

Die Einsamkeit,
sie ruft: zurückziehen,
allein sein,
stehenbleiben.

Es gelingt nicht,
Alltäglichem zu entfliehen,
viele Bindungen,
viele Pflichten.

Und selbst im Gelingen,
wenn innen, außen
zu Harmonie verschmelzen:
es ruft weiter.

Allein in Gesellschaft,
Still im Gefecht der Worte,
Leben ohne Ziel,
Sterben ohne Furcht.

Jetzt,
kein Strom der Zeit,
Hier,
Fluss der Unendlichkeit.

Dann einfach so,
Zeit entsteht,
Raum entsteht,
Endlichkeit.

Eine Bohrmaschine jammert,
Hunger und Durst steigen auf,
Raum und Zeit verlangen eine Pause.
Ich gehe!

HpS / 26.05.99 (I) / 17.09.2021 (ü)

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Das gute, richtige und sinnvolle Leben

Die unterschätzte Frage nach dem Sinn

Immer wieder, wenn Besucher mein Büro betreten und sich dort angesichts der 1500 Bücher, die die Wände in Form von Billy-Regalen füllen, dann interessiert nach den Titeln der Werke scannen, die aufgereiht in den Fächern stehen, sehe ich oftmals die Frage auf den Stirnen aufleuchten: Wann und vor allem warum um alles in der Welt liest der dieses Zeug nur? Und obwohl mir diese Frage nicht nur selbst erschien, sondern auch schon aktiv gestellt wurde, kann ich sie nach wie vor nicht beantworten. Irgendwie sind diese Bücher 1 alle miteinander verbunden. Sie sind, so erkläre ich es mir heute, mittels Studium im ausschließlich häuslichen Umfeld eine der brennendsten Fragen zu beantworten, die ich mir, seit ich denken kann 2, immer wieder stelle. Und diese Frage lautet so etwa sinngemäß und etwas provokant ausformuliert: Was soll das alles eigentlich sein hier auf dieser Welt, was wir so leichtsinnig Leben nennen? Oder allgemein formuliert wäre das die einfache Frage nach dem Sinn des Lebens.

Diese Frage nach ‚dem Sinn des Lebens‘ stellt sich eigentlich nicht ganz so einfach, wie sie hier formuliert ist. Vielmehr müsste sie heißen: Was ist das Leben selbst? und gleich darauf in der Konkretisierung derselben: Wie kann oder sollte es sinnvoll oder richtig gelebt werden in Angesicht unserer persönlichen und in der Erweiterung der globalen Situation auf unserem Planeten? Das ist die eigentliche Fragestellung, die meinem Lesen seit vielen Jahren zugrunde liegt. Man könnte auch sagen, ich suche einfach 3 nach Antworten auf meine elementarsten Fragen. Aber das stimmt so in meinem Fall nicht ganz. Denn der Zweifel ist in meiner Wahrnehmung nicht allein die Triebkraft meines Fragens, denn da sitzt tief in mir auch eine Sehnsucht, die wahrscheinlich das Ziel verfolgt, diesen bereits genannten Zweifel zu negieren. Beide, Zweifel und Sehnsucht erscheinen mir wie ein Pärchen zu sein, wo einer ohne den anderen nicht auskommen kann. Wächst die Sehnsucht, wächst auch der Zweifel, wächst der Zweifel, wächst auch die Sehnsucht: Ein Teufelskreis? Nun müsste hinter den ‚Teufelskreis‘ eigentlich ein Ausrufezeichen stehen, nicht wahr? Wieso aber steht da ein Fragezeichen? Nun, ich bin mir nicht sicher, ob Sehnsucht und Zweifel, jeder für sich allein, Bestand haben können. Ich fürchte vielmehr, das in mir Sehnsucht und Zweifel mehr eine polare Struktur aufweisen, in der der Eine ohne den Anderen nicht existent sein kann. In einer Polarität können die Elemente nicht aufgelöst werden, sondern es muss zu einer den Widerspruch übersteigenden Einigung kommen, in der nicht die Elemente, sondern der ihnen eigenen Widerspruch gelöst wird. Es erscheint mir wie die Ausführung einer Iteration, in der durch Setzung von Werten in unendlichen Kreisen und Wiederholungen sich eine Annäherung an ein mögliches Ergebnis erreicht wird. Und den Begriff ‚Werte‘ müsste ich darin durch die Begriffe Vorschläge, Theorien, Grundannahmen, Lehren, Strukturannahmen, Philosophien, Systemausarbeitungen und ähnliches ersetzen. Soweit bin ich heute in der Selbst-Erklärung meines lesenden Tuns. Ich muss dazu sagen, und das ist wichtig zum Verständnis, das ich nicht lese, um Wissen anzuhäufen. Ich kann den Inhalt der Werke, die ich mal gelesen habe, nicht aus der Erinnerung rekapitulieren. Das war niemals und ist auch jetzt nicht mein Ziel. Ich lese also nur, um für mein persönliches Denken, ohne das je irgendwo oder irgendwem mitteilen zu wollen, Anstöße zu bekommen, Schubser sozusagen, die mich in meiner oben genannten Iteration einem möglichen Ergebnis näherbringen. Nicht das ich Wissen gering schätze, das stimmt so nicht, aber ich denke und befürchte heute mehr und mehr, dass die Anhäufung von allzu viel Wissen auf der Basis einiger weniger Annahmen allein 4 ein Denken erzeugt, dem letztlich dann ein dogmatisches System zugrunde liegt. Und hier komme ich mit einem Grundsatz meines Denkens in Konflikt, dem einzigen, den ich bisher absolut festlegen konnte, nämlich der Tatsache, das Dogmatik und Freiheit sich unvereinbar gegenüberstehen. Zwischen den beiden ist keine Polarität möglich, die sich auflösen könnte. Da ist nur Widerspruch pur.

Die Frage nach dem guten, richtigen und sinnvollen Leben

Somit sind jetzt an dieser Stelle die Grundlagen und Erläuterungen gelegt. Ich komme also zur Fragestellung zurück, die ich diesem Artikel zugrunde legen wollte:

Gibt es ein gutes, richtiges und sinnvolle Leben, das sich in Wort und Schrift beschreiben lässt?

Nun habe ich für die Fragestellung in dieser Form eine Auswahl von drei Adjektiven eingefügt, die das Leben in einer Eigenschaft beschreiben. Ich hätte auch andere Eigenschaften auswählen können wie zum Beispiel ‚leidenschaftlich‘, ‚aufregend‘, ‚erfolgreich‘, ‚strahlend‘, usw., die grundsätzlich etwas als allgemein positiv Bewertetes angesehen werden. Wer, auf dieser Überlegung beruhte die Auswahl, fragt schon nach dem schlechten Leben, nach den ‚falschen‘, ‚sinnfreien‘, ‚kaltblütigen‘, ‚langweiligen‘, ‚erfolglosen‘ oder dunklen Seiten eines Lebens. Und doch, gibt es das gute Leben, muss es doch wohl auch ein wie immer geartetes schlechtes Leben geben, und für alle anderen Eigenschaftsworte gilt das doch wohl ebenso. Jede Aussage also, das wäre hier einmal festzuhalten, die mit einem Eigenschaftswort belegt ist, gebiert automatisch auch die Existenz ihres Gegenteils und spaltet somit, was auch immer als Objekt der Betrachtung genannt ist, hier also das Leben. Ich bin irgendwann, ich denke sehr spät erst im meinem Leben, zu der Überzeugung gelangt, das so Fragen zu stellen kein Ergebnis haben kann. Und wenn ich diese Festsetzung, was Überzeugungen immer sind, als eine der Grundlagen meines Lesens und Fragen setze, müsste ich das Gros meiner Bücher in die Tonne stecken. Denn jedes Sachbuch, gleichgültig, worüber es auch immer informieren mag, kommt irgendwann an den Punkt, wo eine Auswahl mittels Eigenschaften gesetzt werden muss.

  1. Es handelt sich neben Werken zu Zen, Yoga und anderen Körperaktivitäten um philosophische, psychologische, religiöse und anthropologische Sachbücher. Einige Autoren seien beispielhaft genannt: Jung, Hesse, Nossak, Brunton, Radhakrishnan, Han, Agamben, Jaspers, Sprengler, Eliade, Osho, Wilber, Foucault, Derrida, Deleuze, Neumann, Krishnamurti, Bloch. Von einigen in dieser Auswahl besitze ich nahezu jeden Titel, der auf deutsch erschienen ist, und habe vieles davon auch wenigstens einmal gelesen. ↩
  2. Damit ist der Zeitpunkt gemeint, an dem ich erstmals einen stets wachsenden Zweifel bemerkte, der mir angesichts der allgemein üblichen Lebenssituation in Deutschland immer stärker ins Bewusstsein strahlte. Ich setze ihn im Rückblick so um 1990 an, da war ich Mitte Dreißig. ↩
  3. einfach: Ein Wort, das ich gerne benutze, um einen Allgemeinplatz zu kennzeichnen. ↩
  4. Beispiele dafür sind politische Systeme wie ‚Repräsentative Demokratie‘, Sozialismus, Kommunismus, Monarchie, und so weiter. ↩
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Fragen, Freiheit und Lebensabend

Mich haben seit meiner Jugend viele Fragen beschäftigt, von denen einige zu den grundlegenden Fragen der Philosophie gehören.

Allerdings war meine Ausgestaltung dieser Fragen nicht auf einen theoretischen Ablauf ausgerichtet, sondern meist durchaus praktischer Natur. Trotzdem heißt „praktisch“ nicht immer auch oberflächlich, denn auch Praxis verlangt in letzter Konsequenz gedankliche Tiefe und Gründlichkeit. Über einige dieser Tiefen-Fragen möchte ich jetzt in diesen Zeilen für mich eine Frage beantworten, die seit einiger Zeit mein Denken beherrscht: Was mache ich mit und in meinem Ruhestand, der mit jedem vergangenen Tag immer näher heranrückt. Wo befinde ich mich dann, was wird sein und was wird mich dann noch erfüllen? Das ist die Fragestellung dieser Zeilen.

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Abschied von Aufklärung und Glauben und… ?

Was mich immer wieder umtreibt, was mich anhalten und nachdenken lässt ist die Frage, warum tun Menschen das, was sie tun? Und ganz besonders stellt sich mir diese Frage, wenn ich mich innerhalb einer Gemeinschaft aufhalte, die ein ganz bestimmtes Hobby eint, die sich zu einer Organisation verbinden, die dem Broterwerb wegen geschaffen wurde oder einer selbigen, die sich zum Wohle und zum Dienst am Menschen, sich an der Natur oder dem Erhalt des Gegebenen, oder an den Antworten auf die Fragen aller Fragen sich versuchen 1.

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  1. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was ist nach der Stunde meines Todes? ↩
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Gedanken zu Stufen von Hermann Hesse

Das Gedicht Stufen von Hermann Hesse aus dem Glasperlenspiel zeitigt eine Lösung für die Grundfragen des Lebens. Den Text zu verstehen bedeutet, Antworten zu finden, bedeutet Trost und Führung zu finden für ein friedliches und stilles Leben. Der Lauf des Lebens findet darin seinen Abschluss im Abschied von der Einflussnahme. Die Wandlungen laufen dann ohne Reibung, ohne Leiden. So erfüllt sich ein Leben, erlöst in der Aufgabe.

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Wir haben die Wahl, manchmal…

Ich habe gewählt, und die Entscheidung zu gehen, nach Neuem zu suchen, war bestimmt nicht einfach, war bestimmt nicht leicht, und sie hat Kraft gekostet. Heute glaube ich zwar zu wissen, dass ich gar keine Wahl getroffen habe, denn es gab in Wirklichkeit keine Alternative als diese, als mich so zu entscheiden, aber damals war ich mir so sicher nicht, und der Zweifel fraß an meiner Selbstsicherheit wie der Rost an meinem Auto. Letztlich war es mein Stolz, eine an sich negativ besetzte Eigenschaft, die mich vorwärts drängte, die zu mir sagte: Du kannst hier nicht bleiben, du doch nicht…!. Ich bin heute sehr dankbar für diese Hilfe, und mein Verhältnis zu dieser Stolzheit hat sich deutlich gewandelt. Es ist oftmals gut, negative Eigenschaften zu besitzen, denn wo das Negative sich befindet, ist auch das Positive meist nicht weit. Und heute gehe ich denn diesen Weg ins Neue, von dem ich schon zu Beginn ahnte, ja fürchtete, dass er so einfach nicht sein würde. Meine Befürchtungen wurden weit übertroffen.

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