Die Schwierigkeit, Mensch zu sein

Anstatt die Natur und die Ressourcen des Planeten zu plündern, wäre eine Technik von Nöten, die nur noch recycelt und nicht Natur abbaut. Die dazu notwendigen Forschungen müssten deutlich ausgeweitet werden. Technik sollte nur noch in Kreisläufen funktionieren, Gerätschaften werden instandgesetzt statt weggeworfen, Energien werden aus Sonne, Wind, Wasserstoff und Fusionsreaktoren erzeugt und keine Gifte und schädigende Substanzen werden in die Umwelt entlassen. Ja klar, das klingt nach SF, aber das Gros dieser Techniken gibt es bereits, werden aber weder weiterentwickelt noch eingesetzt, weil das wesentlich teurer ist als weiterhin die Umwelt zu verschmutzen. Und wenn die Menschen sich endlich dazu durchringen könnten, miteinander und nicht gegeneinander zu agieren, gäbe es auch genügend Zeit und Mittel, das zu bewerkstelligen. Hat mal jemand zusammengerechnet, was die Feindseligkeit der Menschen untereinander, deren Eindämmung und dem Schutz davor so kostet, und damit meine ich nicht nur Geld, sondern Lebensqualität, Material und Mühe.

Langer Rede kurzer Sinn, wir wissen nicht, was vor uns war und nach uns sein wird. Wir werden unseren Planeten auch in der nächsten Zeit nicht verlassen können, um ein unzerstörtes Paradies zu finden. Ob es also weiterhin Sinn macht, an ein danach zu glauben, an ein wieso oder warum, oder uns sogar irgendwelchen Phantasien hinzugeben? Wir müssen zugeben, das wir von all dem nichts wissen können. Wir vermuten zwar, reimen uns zusammen oder konstruieren große Glaubensinhalte, aber wissen können wir nichts davon. Allerdings wissen wir, was wir auf der Erde aufgebaut wenn nicht sogar angerichtet haben und das vieles davon nicht so weiter laufen kann. Warum also flüchten wir weiterhin in Gedankenkonstruktionen, statt zu arbeiten an dem Wissen, das wir bereits sicher besitzen? Das ist etwas, was ich ganz und gar nicht verstehe.

Was wollen wir auf dem Mond? Wozu sollten wir den Mars besiedeln? Haben wir hier auf der Erde nicht genug zu tun? Müssen wir unbedingt unsere ganze Kompetenz damit verbringen, immer neue Tötungsmethoden für unsere Mitmenschen zu entwickeln oder wäre da nicht auch etwas anderes, etwas Sinnvolleres möglich? Kein Einziges Lebewesen auf der Welt braucht diesen Schrott. Wir verbringen unsere Zeit damit, in Träumen und Phantasien unsere Kraft zu vergeuden anstatt dafür zu sorgen, das die Evolution weitergeht und unser Nachfahren eine brauchbare Umwelt vorfinden, und unter brauchbar verstehe ich eine Welt mit einer gesicherten Tier- und Pflanzenwelt und großer Vielfalt. Und natürlich gibt es da auch Lebensräume für uns Menschen. Diese aber sollten auch anderes Leben zulassen. Ihre Bewohner sollten kurz und bündig gesagt zu erhalten wünschen, was bereits da ist und sollten bemüht sein, allem Leben die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Wenn wir nicht zerstören, müssen wir auch nicht wieder aufbauen. Wir könnten unsere Zeit mit Leben verbringen und nicht mit Kämpfen wie zur Zeit üblich. Ich glaube, das wäre bestimmt nicht langweilig, sondern zutiefst spannend. Wir könnten künstlerisch und handwerklich tätig sein, helfend und fördernd, könnten uns mit Wissenschaft beschäftigen, mit Kultur, könnten philosophisch, literarisch, spirituell und gesellschaftlich neue Dimensionen erschließen und noch viele andere Dinge mehr. Das ist ein weites Feld. Das heißt nicht unbedingt 40 Stunden arbeiten in der Woche, nicht Steine schleppen und Datenbanken füllen, sondern kreativ die Probleme lösen, die ein Zusammenleben auf begrenztem Raum erfordern. Und natürlich kann dazu Technik, Intelligenz und Innovation genutzt werden. Aber diese stehen dann nicht für sich und den eigenen Vorteil, sondern stehen bereit für alle Menschen und, wo notwendig, auch für unsere nichtmenschlichen Mitbewohner. Wo also liegt das Problem?

Wollen wir nicht? Können wir nicht? Ist es unsere Natur, zerstörerisch zu sein? Ist es unsere Natur, uns untereinander zu bekämpfen? Und wer stellt heute diese Fragen in einem ernsthaften Disput? Unser Diskussionsrunden, unsere Dispute, unsere Planungen, unsere Filme, Geschichten und Tätigkeiten zeichnen sich dadurch aus, Geschichten zu erzählen, in deren Handlungen es darum geht, andere zu übertrumpfen, andere über den Tisch zu ziehen, andere zu besiegen, besser zu sein, wilder, mutiger und kraftvoller als andere, und ich frage mich, wozu ist das gut? Wir zerstören damit nicht nur unsere Gesundheit, unsere Ruhe, unsere Fähigkeit, Freunde, Freude und Frieden zu finden. Es gilt wohl noch immer wie in Vorzeiten: „Wir sind wir, und die sind die…“, „Menschen die anders aussehen, gehören nicht hierher“, „Wer so denkt wie ich ist ein Freund, wer anders denkt, ist Feind“, „Nur gleich Gesonnene verstehen sich…“, „Blut ist dicker als Wasser“, „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, usw. Es geht um entweder/oder sprich Dualismus. Aber der lässt Vielfalt einfach nicht zu. Wissen wir das nicht?

Dabei wäre es so einfach, anders zu leben. Wir müssten nur den ganzen Unsinn des Gegeneinander lassen, mit dem wir uns Tag für Tag beschäftigen wollen/müssen, einfach nur zu einer anderen Denkweise kommen, die weder Schuld, Sühne, Feindschaft, Sünde und Misstrauen kennt. Wir müssten Leben und Leben-lassen erneut erlernen. Das ist der Punkt, auf den es ankommen würde, und in dieser Frage bin ich auch nicht mehr bereit, Kompromisse zu denken. Gemeinsam handeln können ist die große Stärke der Menschen. Das war und ist nach wie vor ihr Erfolg. Wir sollten das weder vergessen noch ignorieren.

Ich würde es begrüßen, wenn wir als Menschen endlich wieder mal den Mut finden könnten, zuzugeben, das wir sehr wenig über uns wissen und das es Motive gibt, von denen wir noch sehr lange Zeit gar nichts wissen können. Statt „Gott ist groß…“ und „Wir sind die, auf die es ankommt…“ sagen und denken wir mutig die Wahrheit, und die heißt:

„Wir wissen es nicht, und das gilt sowohl für das „Warum“ und auch für das „Wozu“.

Wir könnten lernen, so zu sein. Vieles wäre dann einfacher. Und wenn dann genug Zeit ist, können wir uns ja gerne mal in Phantasiewelten bewegen. Nur sollte der oben fett geschriebene Satz ständig im Hinterkopf präsent bleiben, weil das nämlich der einzige Satz ist, der als wahr angesehen werden kann. Mich tröstet das!

image_pdfimage_print

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert