Die Schwierigkeit, Mensch zu sein

Wir stehen als Menschen immer wieder vor sehr wiegenden Fragen wie „Was hat das alles (noch) für einen Sinn?“ Aber es gibt auch einfache Fragestellungen wie „Warum ich sonntags in die Kirche gehen und den Herrn um Gnade anflehen soll“, wo doch schon durch reine Beobachtung zu erkennen ist, das Gebete und Bitten in der Regel vom Himmel nicht beantwortet oder gewährt werden. In nahezu allen Religionen der Welt sind Gebete und Fürbitten Gang und Gebe, und in den seltenen Fälle, wo selbige tatsächlich auch eingetreten sein sollen, könnten es auch zufällige Treffer gewesen sein, so etwas wie ein Lottogewinn, unwahrscheinlich zwar, aber nicht unmöglich und sicherlich nicht bewusst planbar.

Was mich immerzu stört an den Antworten auf diese wichtigen Fragen, ist die nicht gesehene Möglichkeit beziehungsweise Einsicht, das wir diese Antworten gar nicht wissen können. Das verhält sich in etwa so, wie das Auge, das sich selbst nicht selbst sehen kann. Der Mensch lebt immerzu in einer ihn umgebenden Umwelt, ohne die es kein Leben, auch kein menschliches, geben kann. Mensch-Sein-Können benötigt die Atemluft, die Schwerkraft, die Nahrung, anderes Leben und vieles andere mehr. Es ist daher unsinnig, ihn aus seiner Umgebung herausgerissen zu sehen, wie viele Philosophien und Wissenschaften das zu tun gedenken. Das der Mensch sich als Mittelpunkt seiner Umgebung sieht, ja sehen muss, ist logisch, aber solcherlei wird wohl jedem Lebewesen zuteil, das sich umschaut. Aber herausheben aus der Struktur des Lebens, sich als außen stehend betrachten ist sicherlich falsch und trägt wenig Früchte. Wenn wir den Menschen denken, so müssen wir ihn heute sowohl in seiner natürlichen Umgebung als auch in der von ihm selbst geschaffenen technischen Umgebung sehen. Letzteres ist das herauszuhebende Alleinstellungsmerkmal der Menschen, und diese Notwendigkeit gibt es erst sein der industriellen Revolution, ist also gerade man 150 Jahre alt, das ist nichts angesichts der Dauer der Evolution. Und seien wir ehrlich, nichts davon wurde philosophisch und theologisch aufgearbeitet. Wir schwelgen immer noch in den Geschichten, die mittlerweile zwischen 200 und 3000 Jahre alt sind.

Es wäre daher zu klären, was das besondere an der Art und Weise zu denken des Menschen ist und warum dieses die extremen Formen angenommen hat, die Menschen dazu befähigt, sich selbst und alles Leben auf dem Planeten Erde und deren Evolution zu zerstören oder gar zu beenden. Nun werde ich nicht die Kulturentwicklungen und die ganze Geschichte der Religionen und der Philosophie zum x.ten mal herunter beten, sonder ich möchte all den beliebten Denkern und Propheten lediglich eine einfache Frage stellen:

Warum ist es so schwer, einfach nur die Wahrheit, also „Ich weiß es nicht!“ zu sagen und damit zufrieden zu sein?

Tiere und Pflanzen tun das doch auch schon seit Urzeiten und scheinen doch sehr glücklich damit zu leben. Und mit dem Delphin zum Beispiel, das einzige Wesen, das im Vergleich Körpergewicht zu Gehirn 1 den Menschen hinter sich lässt, gibt es ja Leben mit vergleichbar hoher Intelligenz, das deutlich weniger Gefahren erzeugt und deutlich friedfertiger agiert als der Mensch. Ist also der Mensch als einzig planend sprich reflektierend denkendes und technische Lösungen schaffendes Wesen nicht eher ein Phantast und Zerstörer als die Krone des Lebendigen oder gar der Schöpfung?

Schauen wir uns ein paar „Wahrheiten“ mal genau und unvoreingenommen an. Je nach Geburtsort (Land) oder Kultur (Religion, Sitte) unseres Erscheinens auf der Welt bekommt der Mensch ganz unterschiedliche Aufgaben zugesprochen, die er zu erfüllen habe. Wie war das noch, „Gottgefälligkeit“ ist die Aufgabe eines Christen, denn selbiges verspricht je nach Gelingen Himmel oder Hölle. Auch im Judentum und im Islam ist Gottgefälligkeit das vorherrschende Lebensziel. Im Hinduismus und Buddhismus dagegen gilt es auf der Welt als Mensch, sich zu entwickeln und Erkenntnis zu erlangen, denn ansonsten droht je nach Lebensinhalt (Karma) eine Wiedergeburt in göttlichen oder tierischen Wesen, die beide vermögen, den Weg ins Nirvana zu versperren. Nur dem Menschen ist es da möglich, das Ziel sprich „zu verlöschen“ zu erreichen. Andere Religionen und Kulturen spielen bei dem Menschsein mit dem Begriffen Ehre, Heldentum, Patriotismus und Heiligkeit in nahezu allen möglichen Variationen oder drohen und locken mit Geistern und Dämonen der unterschiedlichsten Arten, die sowohl als Freund als auch als Feind des Einzelnen auftreten können. Haben all diese Vertreter jemals Beweise vorgelegt, die ihre Theorien, Weltsichten und Prophezeiungen belegen könnten. Hier und da werden ein paar Heilige und Vorbilder in Erzählungen generiert, und so manch naives Wesen glaubt hier und da, etwas derartiges erlebt zu haben. Ich will das gar nicht zermahlen, sondern es einfach mal so stehen lassen und meine Antwort darauf etwas spöttisch formulieren: Gerichtsfeste Beweise dafür gibt es nicht.

In den Augen eines unvoreingenommenen Wesens hat der Mensch mit Wissenschaft, Technik und Fleiß/Gier die Welt und sein eigenes Leben in einen Moloch verwandelt. Er hat sich unangemessen ausgebreitet und nimmt für sich in Anspruch, den Planeten und alle seine Bewohner, vom Tier, über Insekten bis zu Pflanzen, zu beherrschen. Wenn ich über mein bisheriges Leben so nachdenke, habe ich mich 13 Jahre mit unbeliebter und lästiger Ausbildung in einer Schule beschäftigen müssen, dann musste ich 50 Jahre lang mit Kittel und Schutzbrille in einem Labor verbringen, das angefüllt war mit giftigen und ungesunden Substanzen und verbringe jetzt meinen Lebensabend, der statistisch auf 20% der Gesamtlebenserwartung herabgesunken ist, damit, meine Krankheiten und Schwächen ertragen zu lernen. Nun, so schlimm erfahre ich (!) das heute noch (?) nicht, aber wenn ich mich in meinen menschlichen Kreisen so umsehe, müsste ich das eigentlich genau das so erleben. Schauen wir uns dagegen den Löwen mal an. Dieser pflegt sich meist gemütlich und recht behäbig 20 Stunden lang unter einem schattigen Baum aufzuhalten, jagt hier und da mal wegen Hunger ein Tier, um einige Teile davon zu verspeisen und kümmert sich sonst höchstens noch um seinen Nachwuchs. Alles in seiner Umgebung ist ausreichend und schmackhaft vorhanden, und wenn ihm die Gegend nicht mehr gefällt, zieht er einfach um. Er steht auf, und geht. Es gibt keine Lasten zu tragen, keine Behördengänge zu absolvieren und auch sonst behindern ihn dabei weder Grenzen noch sonst etwas. Würde der liebend gerne mit einem Menschen tauschen? Ich glaube nicht. Und ebenso könnte ich einen Delphin beschreiben. Wollte der vielleicht mit einem Menschen tauschen? Nein, eher nicht. Was den beiden Tieren heute das Leben schwer macht ist nur die Technik der Menschen. Sonst nichts.

So, nun haben wir ja unsere technischen Errungenschaften überall verbreitet und es hat wenig Sinn, in eine irgendwie gestaltete „gute alte Zeit“ zurück zu wollen, denn das hat keinerlei Aussichten auf Erfolg. Auch die Aussteiger heutiger Tage verzichten ungern auf Handys, Fahrzeuge und Kunststoffartikel, und was an Technik und Wissen einmal das Licht der Welt erblicken konnte, kann nicht mehr ignoriert werden. Aber, und auch das ist zu bedenken, so einfach ignorieren, was wir so angerichtet haben, geht wohl auch nicht mehr und wir müssen, wenn wir erhalten wollen, was unsere Lebensgrundlage ausmacht, einiges ändern bzw. anpassen an das neu erkannte Wissen.

Da ist zunächst einmal zu bedenken, ob 10 Mrd. Menschen, die nach Gerechtigkeit strebend ebenso leben möchten wie wir Europäer, den Planeten nicht überfordern. Und wenn diese Annahme bejaht werden sollte, müssten wir erkunden und entscheiden, wie und mit welchen Mittel wir auf eine Anzahl kommen könnten, die den Erhalt des Lebensgefüges der Erde möglich macht.

Dann müssten die Lebensräume des Menschen genügend Lebensraum für unser nicht-menschlichen Mitbewohner lassen. Die zu handhabende Technik müsste so sauber sein, das die Lebensräume aller eine zufriedenstellende Qualität behalten und ungestört eine Entwicklung erlaubt, wie sie in den Zeiten der ungebremsten Evolution möglich war. Der Mensch müsste für ihn unwirkliche Gegenden verlassen, ich denke da an Wüsten, Steppen, Überschwemmungsgebiete, arktische Regionen und Regionen, die vom Menschen verwüstet wurden usw. und sollte diese einer vom Menschen ungestörten Evolution zurückgeben.

  1. Gilt in den Wissenschaften nach wie vor für einem Maßstab für Intelligenz. ↩
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