Abschied von Aufklärung und Glauben und… ?

Gerade in den traditionellen asiatischen Künsten ist die Ausübung von Autorität erfahrungsgemäß anders geregelt als in Europa üblich. Trotzdem halten sich auch Europäer unter sich an diese fremden Strukturen, ja mehr noch, sie gehen geradezu in ihnen auf und erblühen in ihnen. In ähnlicher Weise gerinnt bei den meisten Menschen die Identifikation mit Essen und Kleidung, Accessoires und Lebenshaltung der Herkunftsländer ihres Hobbys immer mehr an Bedeutung. Ich selbst habe mit Karate und Zen aus der japanischen Tradition, mit dem Yoga aus der indischen und dem Buddhismus/Taoismus/Chan aus dem überwiegend chinesischen Kulturkreis einige dieser Identifikatoren zugelassen und weiß aus eigener Erfahrung, wie intensiv diese sein können. Allerdings muss ich hier für mich einige Einschränkungen vornehmen, die mir wichtig sind und die mich auch zur Niederschrift dieser Zeilen bewegt haben werden. Ich habe trotz allem niemals meine Ernährungsgewohnheiten, nicht meine Kleidung, nicht die Vorliebe im musikalischen Konsum auch auch nicht meine Sprache an die von mir ausgeübte Kunst angepasst. Das hat mir in den Vereinen und anderen Wirkungsstätten viele Diskussionen eingebracht, hat mich dort häufig als Außenseiter wirken lassen und den Ruf eingebracht, ein kleiner Revoluzzer zu sein. Einer also, der sich nicht anpassen kann oder will. Weiterhin pflegte ich niemals meine Gespräche mit anderen Menschen, seien es Freunde, Bekannte oder Fremde, mit den Erkenntnissen und Gepflogenheiten meiner Hobbys füllend zu schmücken, was oftmals dann selbst enge Freunde irritierend reagieren lässt, wenn sie bemerken, was ich so alles in meiner Freizeit zu tun pflege, von dem ich ihnen aber niemals etwas erzählt habe. Weiterhin pflegte ich immer schon meine Bekanntenkreise streng zu trennen. Kollegen waren bis auf wenige Ausnahmen nur Kollegen, Karate-, Zen- oder Yogafreunde waren nur das und selbst Nachbarschaftsbeziehungen hielt ich weitestgehend isoliert. Etwas hat mir diese Anpassungsverweigerung, deren Ursache mir nicht erklärbar erscheint, aber doch beschert, was mir heute erst mehr und mehr bewusst wird: Ich kann heute mich mühelos in unterschiedlichen Gesellschaftskreisen bewegen, kann mich trotzdem noch immer nach meinen Wünschen ernähren, kann immer noch die Kleidung tragen, die mir gefällt und mich trotz meiner Neigungen zum Buddhismus und Taoismus noch immer mit westliche Philosophie auseinander setzten, spiele immer noch neben Go auch Schach und fahre trotz Umweltschutz und Parkplatznot weiterhin mit einem Auto zur Yogastunde oder zum Zen, weil ich nämlich noch immer das eigene Auto für ein wesentliches Werkzeug meiner persönlichen Freiheit betrachte. Und ich höre immer noch Lindenberg, Alan Parsons Project und Pink Floyd mit Begeisterung und Freude, beschäftige mich ebenso mit Politik wie mit Technik, arbeite mit Computer und Handy und schreibe Texte in Blogs über die Dinge, die mich bewegen. Und ich suche mir Freunde und Bekanntschaften aus und bediene mich nicht nur dort, wo sich problemlos etwas durch Nähe anbietet. Das hat mir wenige, dafür aber sehr gute Freunde beschert.

Meine Frage war immer, und diese stellt sich mir immer deutlicher auch jetzt noch in diesen Zeilen: Warum reagiere ich scheinbar so anders als der stärker genormte Mensch im Allgemeinen? Warum kann ich mich nur schwer identifizieren? Was macht mein gefühltes Anders-Sein-(Wollen, Können) aus? Ist dieses Einzelgängerische vorgegeben, angeboren oder wird es erlernt wie viele andere Eigenschaften auch?

Diese Fragen stellen sich mir heute immer stärker, weil ich einerseits im Ruhestand viel Zeit zum Nachdenken habe, trotzdem aber mit zunehmenden Maße feststelle, das ich so langsam mit 60+ auf dem Buckel des ewigen Kämpfens mit der mich umgebenden Welt müde geworden bin. Ich würde gerne mehr so vor mich hin leben, ohne Gedanken an das Morgen, ohne „hätte ich doch….“, „das muss so…“ und „könnte ich nicht…“ und die ganzen Fragen, den den Klabautermann im eigenen Kopf so bewegen. Aber dazu, soweit habe ich es mittlerweile gelernt, muss ich erst mit den Unebenheiten des Leben Frieden geschlossen haben, muss ich mich mit meiner Endlichkeit abgefunden haben und muss viele Angelegenheiten des täglichen Lebens aus einer anderen, vielleicht besseren Perspektive betrachten können. Und noch etwas ganz wichtiges ist mir aufgegangen: Ich muss zu Freude und zu mehr Gelassenheit zurückfinden, um diesem Wunsch nach einem Leben in FREIHEIT 1 nachkommen zu können. Und weil das jetzt so ist werde ich diese Zeilen abschließen und mich auf die Suche machen nach diesen beiden verlockenden Qualitäten: Freude und Gelassenheit, die mir von Tag zu Tag immer mehr bedeuten. Die Fragen nach warum und wieso halten mich vielleicht nur auf. Was ist, ist? Wo ich hin will, von hier und jetzt ausgehend, ist allein wichtig? Wäre das vielleicht die neue Herausforderung, die mich fesseln könnte?

  1. Großbuchstaben deshalb, weil es nicht als „Freiheit zu oder von etwas gemeint ist, sondern mehr als Disponiertheit gedacht ist, also ein frei an sich, ein nicht festgelegt sein wollen…
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7 Kommentare

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