Kategoriearchiv: Gedicht

Fugen und Welt

Die Welt scheint aus den Fugen, den Baum dort kümmert es nicht, Die Sonne scheint seit dem Morgen, bis sie am Abend sich verbirgt, und auch die Vögel draußen, feiern ihr Fest, freuen sich auf den Frühling, und bauen schon ihr Nest.

Es gibt Streit in fernen Landen, Streit um Macht und Besitz, und hier weit weg vom Schießen, herrscht Angst und Unbehagen, macht Panik sich breit und alle laufen im Kreis, weil sie fürchten zu verlieren, was sich angehäuft in Jahren.

So sind die Menschen, gestern noch aufgrund von Begierde den Kampf herbei beschwören, und heute, verängstigt und verquollen, sich hinter Mauern verstecken und sich nicht hinaus trauen in die verletzliche Freiheit.

Wir gehen immer denselben Weg, erst Tatendurst und Freiheitswahn, dann gesenkter Blick und Zukunftsangst. Und dazu die Stimmen, die niemals verstummen: Ich habe es gesagt, Ich habe es kommen sehen und die Anderen sind Schuld.

Denken liebe Menschen, ist eine Kunst, und es heißt zu bedenken, das auch die Anderen Denken, Und die Kunst derer ist eben nicht so wie die Unsere. Erlauben wir uns Taten, tun andere das auch.

Auch sie kennen Furcht, auch sie kennen Pein, und sie sehen Dinge, die wir verneinen, und wenn wir nicht verstehen, wie es läuft in der Welt, ist es bald schon zu spät, und dann kommt bereuen.

Wenn Hass und Misstrauen sich dann noch verbreiten, und all das Einflüstern greift, wird uns das bald die Vernunft verleiten. So scheint es zu sein, seit langer Zeit, und so wird es noch sein, wenn der Abgrund schon am Horizont erscheint.

Schade, eigentlich.

HS 11.03.2022

Entbergung

Dem endlosen Murmeln
kurz entsprungen,
erreicht er die Lichtung,
die entbergt und ungesichert
die Wahrheit schauen lässt,
Ihr Name: „Wirklichkeit“.
Die Luft erfüllt
der Duft gebrühten Kaffee‘s.

HpS 02.02.2022

Erläuterungen: Was wäre, wenn das ständige und unaufhörliche Murmeln des Geistes, das ständige Abwägen und Voraussehen, das Nachsinnen und Absichern der Meinung, der Ansicht und dem folgenden Gebaren mal kurz, für einen Augenblick nur, sich auflösen oder in den Hintergrund treten könnte. Würde das Verborgene, das so offensichtlich ist, nicht direkt „vor unseren Füssen“ in Erscheinung treten müssen? Würden wir es sehen können, sehen im Sinne von entbergen 1. Und würde solches Sehen nicht eine Wirklichkeit hervortreten lassen, die so einfach und klar sich darstellt, in der alle Schleier gefallen sind und das wirklich Wichtige hervortritt? Heute war das der Duft von frisch gemahlenem und gebrühten Kaffee, der das Haus durchzog, köstlich duftete und Freude in mir entfachte!

  1. zeigen, erkennen lassen (was verborgen war) ↩

Grau

Pulsierende Schläfen,
abdunkelnde Gedanken,
nach innen gezogen,
Furchen graben auf der Stirn.

Diese Stimmung,
aus Nichts geboren,
taucht auf im Schein der Sonne,
taucht Welt in düsteres Grau.

Etwas arbeitet,
unbändig und Zorn erfüllt,
besetzt wahllos Ressourcen,
macht Welt schläfrig und leer.

Die Einsamkeit,
sie ruft: zurückziehen,
allein sein,
stehenbleiben.

Es gelingt nicht,
Alltäglichem zu entfliehen,
viele Bindungen,
viele Pflichten.

Und selbst im Gelingen,
wenn innen, außen
zu Harmonie verschmelzen:
es ruft weiter.

Allein in Gesellschaft,
Still im Gefecht der Worte,
Leben ohne Ziel,
Sterben ohne Furcht.

Jetzt,
kein Strom der Zeit,
Hier,
Fluss der Unendlichkeit.

Dann einfach so,
Zeit entsteht,
Raum entsteht,
Endlichkeit.

Eine Bohrmaschine jammert,
Hunger und Durst steigen auf,
Raum und Zeit verlangen eine Pause.
Ich gehe!

HpS / 26.05.99 (I) / 17.09.2021 (ü)

Gedanken zu Stufen von Hermann Hesse

Das Gedicht Stufen von Hermann Hesse aus dem Glasperlenspiel zeitigt eine Lösung für die Grundfragen des Lebens. Den Text zu verstehen bedeutet, Antworten zu finden, bedeutet Trost und Führung zu finden für ein friedliches und stilles Leben. Der Lauf des Lebens findet darin seinen Abschluss im Abschied von der Einflussnahme. Die Wandlungen laufen dann ohne Reibung, ohne Leiden. So erfüllt sich ein Leben, erlöst in der Aufgabe.

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