{"id":742,"date":"2024-09-11T17:42:44","date_gmt":"2024-09-11T17:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=742"},"modified":"2024-09-11T17:45:28","modified_gmt":"2024-09-11T17:45:28","slug":"reflexionen-ueber-autobiographisches","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=742","title":{"rendered":"Reflexionen \u00fcber Autobiographisches"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich will \u00fcber das Wissen und Denken schreiben, das mich pr\u00e4gt. Dazu geh\u00f6rt die Rolle des Einzelg\u00e4ngers, der ich nie sein wollte und die mir sozusagen aufgezwungen wurde. Diese Entwicklung ist im Exkurs Mobbing, Bossing und Einzelg\u00e4ngertum autobiographisch am Anfang schon beschrieben. Familie, Ausbildung, Arbeitswelt und Freundeskreise sind die pr\u00e4genden Motive der Seins-Ausrichtung heute. In Vergessenheit geraten zunehmend die Glaubensfragen der Religion, in die hineingeboren des Menschen Los ist als auch die gesellschaftlichen Ausrichtungen, die mit den Stichworten Gesinnung und Ideologie beschrieben und zusammenfassend als Weltsicht gelesen werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Exkurs: Mobbing, Bossing und Einzelg\u00e4ngertum<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bein Nachdenken \u00fcber mein Sein, mit anderen Worten \u00fcber mein mir bekanntes Leben in der mir zug\u00e4nglichen Umgebung f\u00e4llt mir immer wieder auf, das meine Sichtweise auf die Welt sich von der der Mehrheit meiner mir bekannten Mitmenschen unterscheidet. Das hat, so zumindest ist meine zur Zeit vorherrschende Ansicht, wohl mit einer mangelnden Sozialisation zu tun. Diese leitet sich davon ab, das ich meine Person seit fr\u00fchester Jugend als durch Familie, Mitsch\u00fcler, Kollegen und zum Teil auch durch heute ehemalige Freunde st\u00e4ndig Mobbing- und Bossing-Kampagnen ausgesetzt sehen musste. Das hat mich in meiner Vorstellung zu einem Einzelg\u00e4nger gemacht, der das Allein-Sein nicht f\u00fcrchtet und der sehr gut ohne Gesellschaft und deren wenig gehaltvollen Gespr\u00e4che auskommt. Dem entsprechend ist meine Weltsicht ganz anders gepr\u00e4gt als die der Menschen meiner Umgebung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Kriterium, das meiner Ansicht nach f\u00fcr mein Denken eine Rolle spielt ist mein \u00fcber 49 Jahre ausge\u00fcbter Beruf, der etwas mit chemischer Analytik zu tun hat. In der Analytik ist ja eine systematische Untersuchung eines Sachverhalts oder einer Problemstellung das vorherrschende Thema. Was diese Pr\u00e4gung in dieser Richtung noch weiter verst\u00e4rkte war die Entwicklung der Methodik in diesem Zeitraum, der von der analogen Bearbeitung der Ergebnisse in die digitale Datenverarbeitung \u00fcberging und die zus\u00e4tzlich noch mit einer Entwicklung in die maschinelle Analysentechnik verbunden war, in der Automation und komplexe Maschinen eine zunehmend vorherrschende Rolle spielten. Ein Trend nebenbei angemerkt, der sich bis heute fortsetzt und immer tiefere Einblicke in den Zustand zum Beispiel der chemischen Zusammensetzung einer Analysenprobe erm\u00f6glicht. Die dazu notwendigen Denkstrukturen haben sich tief in mein Denken eingegraben. Ich stelle immer wieder fest, das dieses Denken sich ganz wie von selbst auch auf andere Lebensbereiche \u00fcbertr\u00e4gt. Ich w\u00fcrde das heute so formulieren, das eine sich etablierende Problematik von mir zun\u00e4chst einmal in Gedanken bis auf eine von mir und meinem Wissen gebildete erreichbare Grundlage herunter gedacht und von dort aus eine sozusagen planvolle Auswahl und Reihenfolge getroffen wird, mit der die Arbeit angegangen werden kann. Diese Vorgehensweise ist f\u00fcr meine Mitmenschen im Gespr\u00e4ch oftmals eine sehr l\u00e4stige, manchmal auch \u00fcberh\u00f6ht langweilige Angelegenheit, die oftmals nach wenigen S\u00e4tzen meinerseits entweder schnell unterbrochen oder durch einen Themenwechsel ausgeschaltet wird. F\u00fcr mich hat das dann die Auswirkung, das ich meine Gedanken nicht zu Ende f\u00fchren kann und hier und da etwas irritiert aus dem Gespr\u00e4ch aussteige, was meine Ausstrahlung als Einzelg\u00e4nger noch verst\u00e4rkt. Vielleicht soviel einmal ein paar S\u00e4tze zu meiner Selbstwahrnehmung in meinem Lebensgef\u00fcge. Ich schreibe das bereits am Anfang, damit der Leser, der \u00fcber keine solche Vorpr\u00e4gung verf\u00fcgt und daher gut und angemessen sozialisiert, sprich normal, ist, sich bereits im Vorfeld von dem Gedanken befreien kann, das mein Denken dem Seinen entsprechen m\u00fcsse. Das ist meiner Erfahrung nach so nicht gegeben. Vieles, wor\u00fcber sich Mitmenschen gerne unterhalten, interessiert mich wenig und ich h\u00f6re mehr aus Toleranzerw\u00e4gungen zu, beteilige mich aber nur wenig. Nun halte ich mein Denken, so k\u00f6nnte ein Eindruck entstehen, nicht f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnlich, im Gegenteil, ich w\u00fcrde einiges daf\u00fcr geben, so zu sein wie es die Allgemeinheit heute gew\u00f6hnlich zeitigt. Das Leben als Einzelg\u00e4nger ist nicht immer so erbauend, wie das oftmals etwas selbstverliebt dargestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Beobachtungen nach ist Mobbing und auch Bossing in der heutigen Zeit durchaus eine normale Erscheinung. Als normal kann im Informationszeitalter das angesehen werden, was mit Regelm\u00e4\u00dfigkeit in die Film- und Medienwelt Einzug h\u00e4lt. Es gibt heute in Deutschland kaum einen Krimi, kaum einen Spielfilm, kaum eine Talksendung, in dem diese beiden Motive keine Rolle spielen. Also ich betrachte das mittlerweile als den Normalzustand unserer Gesellschaft. Ich sehe das nicht als eine Besonderheit an, sondern das ist ein Produkt unseres mehr rational gepr\u00e4gtem Denkens, das seine Sinnhaftigkeit zunehmend verliert und nur noch dazu in der Lage ist, die Herausforderungen des Alltag zu bew\u00e4ltigen. Mehr und mehr verliert die Frage an Bedeutung, woher wir kommen und wohin wir unterwegs sind. Das ist ein bedenklicher Zustand, der durch der Verlust ein zunehmend antisoziales Verhalten bef\u00f6rdert, sprich dazu neigt, ein \u201enach mir die Sintflut\u201c-Denken zu etablieren. Vielleicht ist es notwendig, die heute \u00fcbliche Definition von Mobbing und Bossing zu pr\u00e4sentieren:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Im soziologischen Sinne beschreibt Mobbing oder Mobben psychische Gewalt, die durch das wiederholte und regelm\u00e4\u00dfige, vorwiegend seelische Schikanieren, Qu\u00e4len und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Gruppe von Personen oder durch eine einzelne Person in \u00fcberlegener Position [Anmerkung HpS: entspricht Bossing durch Vorgesetzte] definiert ist. Zu den typischen Mobbinghandlungen geh\u00f6ren u. a. Dem\u00fctigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, Zuweisung sinnloser Aufgaben und anderweitiger Machtmissbrauch, Gewaltandrohung, soziale Exklusion oder eine fortgesetzte, unangemessene Kritik an einer nat\u00fcrlichen Person oder ihrem Tun, die einer Tyrannei bzw. einem unmenschlich-r\u00fccksichtslosen Umgang gleichkommt. Wikipedia.org<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Mobbing kann z. B. erfolgen in der Familie, in einer Peergroup, in der Schule, am Arbeitsplatz, in Vereinen, in Wohneinrichtungen (Heimen) oder Gef\u00e4ngnissen, in Wohnumfeldern (Nachbarschaften) oder im Internet (Cyber-Mobbing). Wikipedia.org<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die gesundheitlich-\u00f6konomischen Aspekte und Folgesch\u00e4den von Mobbing gelten als enorm und sorgen alleine in der deutschen Wirtschaft f\u00fcr j\u00e4hrliche Ausf\u00e4lle in Milliardenh\u00f6he. Gerade im Gegensatz zur im westlichen Kulturkreis weitgehend tabuisierten physischen Gewalt, wird verbale Gewalt und Mobbing weniger ernst genommen, und nimmt auch im popul\u00e4r g\u00fcltigen Diskurs nur eine untergeordnete Rolle ein. Wikipedia,org<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Bezeichnend in der Definition ist die Anmerkung, das im popul\u00e4r g\u00fcltigen Diskurs das nur eine untergeordnete Rolle spiele und zun\u00e4chst nur die wirtschaftlichen, nicht aber pers\u00f6nlichen Sch\u00e4den genannt und pr\u00e4zisiert werden. Diese werden erst viel sp\u00e4ter in dem zitierten Artikel genannt, so sp\u00e4t meiner Ansicht nach, das nur wenige Interessenten das lesen werden:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige feindselige Angriffe rufen negative Gef\u00fchle und starke Verunsicherungen bei den Betroffenen hervor, was in der Regel nicht ohne Folgen auf ihr Arbeits- und Leistungsverhalten bleibe. 98,7 % der deutschen Mobbingopfer geben diesbez\u00fcglich negative Auswirkungen an. Am h\u00e4ufigsten nennen Opfer laut Mobbing-Report Demotivation (71,9 %), starkes Misstrauen (67,9 %), Nervosit\u00e4t (60,9 %), sozialen R\u00fcckzug (58,9 %), Ohnmachtsgef\u00fchle (57,7 %), innere K\u00fcndigung (57,3 %), Leistungs- und Denkblockaden (57,0 %), Selbstzweifel an den eigenen F\u00e4higkeiten (54,3 %), Angstzust\u00e4nde (53,2 %) und Konzentrationsschw\u00e4chen (51,5 %). Beruflich kann Mobbing zu K\u00fcndigung, Versetzung und Erwerbsunf\u00e4higkeit des Opfers f\u00fchren. Wikipedia.org<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der dann gut gemeinte Rat, sich als Opfer zur Wehr zu setzen und sozusagen \u201edas Ende des leichten Spiels\u201c zu signalisieren, was \u201eeine Eskalation wahrscheinlich\u201c mache, kann ich nur bel\u00e4cheln. Diese Eskalation herbeizuf\u00fchren ist doch gerade das Ziel des Mobs. Nehmen wir einmal einen Kollegenkreis von 8 Personen an, von dem 7 sich zu einem Mob zusammenfinden. Die entstehende Eskalation wird dazu f\u00fchren, das erstens das Opfer zum T\u00e4ter gemacht werden kann und zweitens, das der Vorgesetzte es einfacher findet, das Opfer zum Gehen aufzufordern, als sich mit dem Rest der Abteilung anzulegen. Wenn das Opfer eskaliert, ist Bossing die nahezu unweigerliche Folge. Das funktioniert nicht. Viel besser als Eskalation durch Angriff ist eine andere Vorgehensweise, die allerdings ein gefestigtes Selbstwertgef\u00fchl voraussetzt. Mobbing soll das Opfer diskreditieren, das Opfer zum T\u00e4ter machen und so eine f\u00fcr den Mob bequeme Arbeitssituation schaffen, in der das Opfer immer mehr im Fokus steht. Wenn das Opfer statt sich aggressiv zu verhalten nun einfach damit beginnt, seine Arbeitsleistung deutlich zu erh\u00f6hen, sich stets nach au\u00dfen freundlich und zuvorkommend verh\u00e4lt und damit die Kollegen automatisch in den Fokus r\u00fccken, die neben einer schlechten Arbeitsleistung auch noch Fehlverhalten zeigen und immer aggressiver vorgehen m\u00fcssen, ohne Wirkung zu erzielen, sind die Erfolgsaussichten bedeutend h\u00f6her. Des weiteren wird sich der Vorgesetzte zumindest nicht einseitig positionieren wollen, da die Arbeitsleitung des Opfers ja durchaus weiter gew\u00fcnscht wird und es keinen Grund gibt gegen ihn vorzugehen. Nun verstehe ich, das diese Aussagen sich f\u00fcr sozial gepr\u00e4gte Menschen seltsam anh\u00f6ren. F\u00fcr einen Einzelg\u00e4nger wie mich aber, der a: allein zu sein gewohnt ist und der b: soziale Kontakte nicht unbedingt braucht ist das ein einfach zu realisierendes Verhalten. So zumindest habe ich lange Jahre lang ein Mobbing nach dem anderen in allen Etappen meiner Biographie ohne Schaden zu nehmen \u00fcberstanden. Meiner Ansicht nach gibt es kein besseres Konzept zur Bew\u00e4ltigung dieser Unsitte. Aber auch der Socializer kann dieses Konzept verfolgen, ist er doch sowieso angesichts des Mobs am Arbeitsplatz wie im Beispiel zumindest vor\u00fcbergehend in einer Einzelg\u00e4nger-Rolle. Er hat die Wahl zwischen aufgeben, krank werden und k\u00e4mpfen, und er sollte sich seine Waffen nach Kriterien der Erfolgsaussicht w\u00e4hlen. Ich habe stets zum K\u00e4mpfen gegriffen, bin nie erkrankt und habe alle Situationen, zu denen ich mich durch Mobbing gezwungen sah, so stets erfolgreich gemeistert.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p><strong>Zur\u00fcck zum Thema der \u00dcberschrift:<\/strong> In der Geschichte der Zivilisation spielten Glaubensfragen und Ideologien sehr lange eine pr\u00e4gende Rolle. Ich teile aber nicht die Ansicht, die sich nach der Aufkl\u00e4rung und dann in der Folge einer falsch verstanden Dekonstruktions-Mode gebildet hat, das die beiden genannten Motive keine Rolle mehr zu spielen haben sollten. Einerseits war die Aufkl\u00e4rung \u00fcberwiegend damit besch\u00e4ftigt, einen oberfl\u00e4chlichen Aberglauben zu beseitigen, andererseits bin ich der Ansicht, das man heute weite Teile der Dekonstruktion (nach Derida, Voucault) <sup class='footnote'><a href='#fn-742-1' id='fnref-742-1' onclick='return fdfootnote_show(742)'>1<\/a><\/sup>, die ja die Grundlage der Postmoderne darstellt, falsch verstanden hat. Dieses besteht in meiner Sichtweise in der Tatsache, das sich gerade bei den Eliten der westlichen Gesellschaft (Politik, Medien, Manager) ein \u201ePippi-Langstrumpf-Denken\u201c breitgemacht hat, das Konjunktiv und Realit\u00e4t oftmals nicht mehr unterscheidet. Ich pers\u00f6nlich halte es f\u00fcr wichtig, das der gesellschaftlich aktive Mensch sich selbst zu einer Weltsicht bekennt und durchaus Grund hat, auch \u00fcber die Sinnhaftigkeit des Lebens nachzudenken. Glauben und Wissen sind heute in einer seltsamen Mischung ineinander verzahnt und nur noch wenige Menschen in Deutschland trennen diese Motive voneinander. Bei Glauben kann man unterscheiden zwischen Religion, Ideologie, Weltsicht, Wissenschaft und Narrativen. Da keine der Genannten auf absolutem Wissen beruht, unterliegen sie Setzungen. Sie alle verherrlichen entweder Gott, G\u00f6tter, Menschen, Konzepte und Regeln, auf die sich Gruppen von Menschen geeinigt haben, um zusammen leben zu k\u00f6nnen. Mir pers\u00f6nlich war es stets ein R\u00e4tsel, wie zum Beispiel der Inhalt eines Buches \u00fcber viele Jahre hinweg zu einer Offenbarung werden kann, wenn es doch Dutzende solcher Schriften gibt, die sich aller Regel nach immer widersprechen und die sich in der Summe absolut nicht auf eine Linie bringen lassen. Ein weiteres R\u00e4tsel meinerseits liegt in der Neigung, ausgesuchte Menschen wie G\u00f6tter zu verehren (Groupies, Anh\u00e4nger, Guru-Sch\u00fcler) und diesen einen Zugang zu einer wie immer gearteten Wahrheit zuzuschreiben. Woher kann ich denn die Sicherheit nehmen, das meine Auswahl richtig ist? Da ich keine Vorlage haben kann, die des Vertrauens sich als w\u00fcrdig erweist, bin ich doch stets gezwungen, mir selbst eine Richtlinie zu erschaffen. Diese muss abgeglichen sein mit der Umgebung, in der ich mein Leben leben m\u00f6chte. Abgeglichen hei\u00dft aber nicht, das ich den ganzen Schriftsatz, den ganzen Aussagen-Salat, der die Ausrichtung der Gesellschaft bestimmt, auch f\u00fcr mich g\u00fcltig sein muss. Nur in gesellschaftlichen relevanten Motiven muss ich Regeln befolgen. Beispiele daf\u00fcr sind die Verkehrsregeln, die Streit zu vermeiden suchen und nat\u00fcrlich die strafbewehrten Gesetze, die sich die Gesellschaft gegeben hat. Was allerdings gesetzlich nicht geregelt ist, steht mir frei zu tun, zu denken und zu leben. Zumindest halte ich das f\u00fcr den Grundsatz eines Rechtsstaates, der Deutschland ja sein will. Ich darf einer der Allgemeinheit abweichenden Ansicht sein, darf diese Ansicht kommunizieren und mein Leben so gestalten, wie es mir gef\u00e4llt. Was ich nicht darf ist einzig und allein, nicht gegen Gesetze zu versto\u00dfen, auch wenn mir diese mal nicht zusagen sollten. Die sprichw\u00f6rtliche Sitte, also die ehemals geliebte Ehre, die rechte Gesinnung, die g\u00fcltige Ideologie und dergleichen sind\/sollten dabei ohne Bedeutung sein. Kurz gesagt ist einer meiner Grunds\u00e4tze, nicht gegen Gesetze zu versto\u00dfen. Das sorgt gew\u00f6hnlich f\u00fcr einen ruhigen Schlaf und erzeugt wenig Ablenkung. Das zumindest ist eine meiner Grundeinstellungen.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Und nat\u00fcrlich stet es jedem frei, zu glauben was immer er auch mag. Ich zum Beispiel gestehe dem Leben einen Sinn zu, der von \u201ewas auch immer\u201c irgendwie gewollt ist. Ob Leben durch eine Sch\u00f6pfung entstanden ist, durch Zufall, durch die Folgen eines Urknalls oder ein sonstiges Ereignis ist f\u00fcr mich wenig interessant. Es wird auf jeden Fall einen Grund geben. Das gen\u00fcgt mir vollkommen. Wenn Leben einen Grund hat, verfolgt es auch irgendeine Absicht. Diese Schlussfolgerung ist unabdingbar. Was ich zu erkennen glaube ist auf jeden Fall, das Leben sich entwickelt. Das tut es seit Anbeginn der Geschichtsschreibung und wird es wohl auch weiterhin tun. Was davor war ist ungewiss. Das wir das Ende der Entwicklungsgeschichte erreicht haben, wie uns manche Wissenschaftler suggerieren wollen, halte ich f\u00fcr aus der Luft gegriffen. Wie sich das Leben zumindest des Menschen wohl entwickelt hat, kann nach heute vorherrschender Sichtweise an der Entwicklung des Nachwuchses abgelesen werden. Andere M\u00f6glichkeiten stehen uns nun einmal nicht zur Verf\u00fcgung. Daher ist es verst\u00e4ndlich, das man sich gerne daran orientiert, aber auch das ist durchaus nicht zwangsl\u00e4ufig. Das dabei dann Auslegungen und Normierungen vorgenommen werden, ist ebenfalls verst\u00e4ndlich, aber diese sind ebenfalls nicht gesichert nachvollziehbar und f\u00fcr jeden schnell erkenntlich. Kurz gesagt schlie\u00dfe ich daraus, das wir nicht wissen k\u00f6nnen, wie sich unsere Entwicklung vollzieht und wohin wir unterwegs sind. Das wir aber als Art in einer Entwicklung unterwegs sind, halte ich allerdings f\u00fcr eine beweisbare Schlussfolgerung. Und wie wir leben sollen\/m\u00fcssen, erschlie\u00dft sich aus den bisher genannten Kriterien nicht. Daher bevorzuge ich ein Offen-Sein zu Glaubens- und Weltsichtfragen und lege mich auch nicht fest. Auch die Wissenschaft hat in meinen Augen eine bedeutende Glaubenskomponente. Dazu sp\u00e4ter. Das ich wie jeder andere auch eine bevorzugte Sichtweise zum bisher Gesagten habe, ist ebenfalls verst\u00e4ndlich und menschlich. Ohne Orientierung geht es nicht lange gut. Aber festgeklopft ist f\u00fcr mich diese Sichtweise nicht. Schon morgen kann das bei mir ganz anders aussehen. Im n\u00e4chsten Abschnitt besch\u00e4ftige ich mich mit der zur Zeit f\u00fcr mich zutreffenden Sichtweise und deren Hintergr\u00fcnde. Allerdings halte ich es f\u00fcr notwendig, das bisher Gesagte kurz zusammenzufassen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen nicht woher wir kommen und wohin wir gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen aber gesichert wissen, das sich Leben entwickelt. Diese Entwicklung ist nach wie vor im Gange.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vielheit der Glaubensrichtung l\u00e4sst nur den Schluss zu: Wir wissen nicht, welche davon richtig ist. Daher ist Offenheit diesbez\u00fcglich angebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten der Friedlichkeit des Zusammen-Leben-M\u00fcssen\u2019s wegen die Gesetze der Gemeinschaften, denen wir angeh\u00f6ren, befolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn wir nicht wissen k\u00f6nnen, sollten wir uns doch zumindest im Denken einen Sinngehalt erarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gerne zitiertes Sprichwort sagt: \u201eDie Hoffnung stirbt zuletzt\u201c, was nichts anderes sagen m\u00f6chte, als das das Motiv Hoffnung ein Sinngebendes ist. Die Frage dazu ist dann doch wohl die, das wir uns damit besch\u00e4ftigen m\u00fcssen, wie wir es anfangen, diese Hoffnung nicht sterben zu lassen. Wir brauchen als allerletztes Mittel doch diese Hoffnung, wenn wir ein lebenswertes Leben f\u00fchren und nicht in Verzweiflung und Depression versinken wollen. Lebenswert ist ein Leben dann, wenn wir f\u00fcr unseren Lebensinhalt Interesse aufbauen k\u00f6nnen. Nach H\u00fcther <sup class='footnote'><a href='#fn-742-2' id='fnref-742-2' onclick='return fdfootnote_show(742)'>2<\/a><\/sup> ist das die Einstellung, die ein ruhiges und spannendes Lebensgef\u00fchl vermittelt, dem ein Mensch sich auch gerne aussetzt. Also m\u00fcssten wir uns f\u00fcr unsere Mitmenschen interessieren, f\u00fcr unsere Gesellschaft ebenso und daher auch f\u00fcr die vielen kleinen und gro\u00dfen Fragen, wie das alles gestaltet werden k\u00f6nnte. Wie schon oben beschrieben, sind strafbewehrte Gesetze zumindest heute das einzig wirkliche Fundament, mit dem das Zusammenleben von Millionen von Menschen gestaltet werden kann. Und diese Gesetze m\u00fcssen klar und einfach sein, damit sie auch jeder verstehen kann. Nicht alle Menschen sind mit einer hochentwickelten Ratio ausgestattet. Es gibt eben auch Tr\u00e4umer und Bildungsferne (so hei\u00dfen die einfachen Leute in den Augen der Elite wohl heute immer noch). F\u00fcr mich ist das einfache Leben noch immer ein hohes Gut, denn selten ging von dieser Menschengruppe ein Unheil aus. Es waren stets K\u00f6nige, F\u00fcrsten, Ideologen, Missionare und andere Machtbesessene, die zu gro\u00dfen unheilvollen Aktionen sich berufen f\u00fchlten und das einfache Volk dazu missbraucht haben. Wir kennen sie doch alle, die Eroberer, Entdecker, Revolution\u00e4re, Forscher, Staatenlenker, und wie sie sonst noch in den Geschichtsb\u00fcchern weltweit erscheinen. Schreiben diese Geschichtsb\u00fccher auch \u00fcber die Menschen, die die gro\u00dfen Kathedralen mit ihren H\u00e4nden erbaut und dabei gestorben, die die Reiche mit der Waffe in der Hand erk\u00e4mpft und dabei gestorben, die die gro\u00dfen Erfindungen und ihre Anwendungen ausgeformt und an den Folgen gestorben sind und die die gro\u00dfen Theorien unter Einsatz ihres Lebens verwirklicht haben. Was haben die gro\u00dfen Erfindungen alles hervorgebracht, nehmen wir ein paar Beispiele, die besonders eklatant und pr\u00e4gend sind zu Hilfe: Schie\u00dfpulver, Dampfmaschiene, Dynamit, TNT, Atomkraft, Digitalit\u00e4t und Internet auf der einen, der Webstuhl, die Heizung, der Hausbau, Lesen und Schreiben und die Aufkl\u00e4rung auf der anderen Seite. Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist doch die: Haben sich die Erfinder von Dynamit und Atomkraft nicht ausrechnen k\u00f6nnen, wozu ihre Erfindungen wohl f\u00fchren werden? Warum wohl wurde das Internet entwickelt? Damit sich Menschen informieren k\u00f6nnen? Weit gefehlt, es war das US-Milit\u00e4r, das diese Technik haben wollte, um seine 1000 St\u00fctzpunkte auf der Weltkugel miteinander verbinden zu k\u00f6nnen. Und auch die Erfinder der \u201eguten\u201c Techniken haben die Auswirkungen ihrer Arbeit wohl nicht wirklich bedacht. War zum Beispiel die Abtrennung der Menschen von der Natur wirklich so sinnvoll, wie das in zugepflasterten Gro\u00dfst\u00e4dten heute leicht zu beobachten ist? Ich will diese Fragen gar nicht beantwortet haben. Sie spielen f\u00fcr mich keine Rolle (mehr). <\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Erfahrungsgem\u00e4\u00df k\u00f6nnen Innovationen (neudeutsch f\u00fcr Erfindungen jeglicher Art) so gut wie nie mehr zur\u00fcckgenommen werden. Schon der Versuch, heute (2024) mal f\u00fcr einen Monat oder zwei das Smartphone wegzulegen oder unbenutzt zu lassen, erweist sich als extrem schwierig. Wie auch immer, ich denke, das sich nichts an Technik zur\u00fcckdrehen lassen wird. Wir werden daher wohl oder \u00fcbel damit leben und es daher auch vern\u00fcnftig verwenden m\u00fcssen. Das geht nicht ohne Anstrengungen, Einschr\u00e4nkungen und erfordert eine bev\u00f6lkerungsweite Verbreitung von Bildung. Das aber wird ohne Haken und \u00d6sen nicht m\u00f6glich sein, und wird daher den Begriff Freiheit, wie wir ihn heute immer noch verstehen, massiv einschr\u00e4nken m\u00fcssen. Wir sehen das in den heute \u00fcblichen Bildern, die Strukturen zu zerschlagen versuchen und mehr und mehr in eine sehr verworren daher kommenden Woke-Kultur <sup class='footnote'><a href='#fn-742-3' id='fnref-742-3' onclick='return fdfootnote_show(742)'>3<\/a><\/sup> m\u00fcndet. Diese scheint zunehmend aus den Begriffen Wahrheit und Realit\u00e4t auszusteigen und beginnt, eine extrem dualistische Spaltung in der Gesellschaft auszugestalten, in der zum Beispiel eine \u201esich verloren glaubende Jugend\u201c um ihre Zukunft sorgt, wo Frauen gegen M\u00e4nner, Linke gegen Rechte, \u00d6ko-Krieger gegen Konsumenten k\u00e4mpfen und so weiter. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist Woke eine rechthaberische und wenig mitf\u00fchlende Kultur, da sie generalisierend den Anderen nicht mehr als anders toleriert, ihn bek\u00e4mpft und dabei weit \u00fcber das Ziel hinausschie\u00dft. Es gibt nach wie vor Ungerechtigkeiten, ja sicher, aber diese sind mit Kampf, Protest und Diskriminierung Anders-Denkender nicht zu beseitigen. Um in geisteswissenschaftlichen Begriffen zu beschreiben, was geschah, was gerade geschieht und wohin es sich entwickelt sind wir Menschen gerade dabei, eine neue Stufe des Bewusstseins zu entwickeln, der ich mich seit Jahrzehnten schon zugetan f\u00fchle. Dabei geht es, um zeitgeschichtlich zur\u00fcckzuschauen, auf der Aufkl\u00e4rung <sup class='footnote'><a href='#fn-742-4' id='fnref-742-4' onclick='return fdfootnote_show(742)'>4<\/a><\/sup> aufbauend \u00fcber die Ebene der Moderne <sup class='footnote'><a href='#fn-742-5' id='fnref-742-5' onclick='return fdfootnote_show(742)'>5<\/a><\/sup>, und der Postmoderne <sup class='footnote'><a href='#fn-742-6' id='fnref-742-6' onclick='return fdfootnote_show(742)'>6<\/a><\/sup> in eine Phase hin\u00fcber, die mittlerweile mit dem Wort Meta-Moderne <sup class='footnote'><a href='#fn-742-7' id='fnref-742-7' onclick='return fdfootnote_show(742)'>7<\/a><\/sup> beschrieben wird. Die verschiedenen Stadien der Moderne gehen einfacher formuliert \u00fcber die Versuche, alle Probleme wissenschaftlich-technisch zu l\u00f6sen und deren Negation \u00fcber eine Sph\u00e4re, die den Geist, der Kultur und dem Narrativ immer gr\u00f6\u00dfere Spielr\u00e4ume zugesteht in eine \u00fcbergreifende Sichtweise, die das Materiell-K\u00f6rperliche der Moderne mit der gegenteiligen Ebene des rein Geistigen der Postmoderne zu verbinden sucht zu einer mehr umgreifenden Sichtweise, die wir gew\u00f6hnlich als \u201eGanzheitlich\u201c bezeichnen. Allerdings ist dieser Begriff heute schon etwas abgenutzt, da er von der Industrie in mehreren Sparten zur Gewinnmaximierung durch Werbung aufgegriffen wurde. Nun ist die Metamoderne noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung. Der Gro\u00dfteil der Gesellschaft westlicher Pr\u00e4gung befindet sich nach wie vor in der Moderne wieder, die j\u00fcngeren Generationen gehen mehrheitlich immer st\u00e4rker zur postmodernen Haltung \u00fcber und der Anteil derer, die Metamodern zu denken verm\u00f6gen, ist nur im unteren einstelligen Prozentbereich angesiedelt. Sie erscheinen in der Geselligkeitswelt oftmals als sonderbar, einzelg\u00e4ngerisch und wenig Mainstream-sozialisiert, da sie sich durch ihre Mischung aus Selbstbewusstheit und Mitgef\u00fchl selbst auszugrenzen scheinen, das aber auch m\u00fcssen, um in der ihnen fremden Mehrheitswelt \u00fcberleben zu k\u00f6nnen. Als Einzelg\u00e4nger wider Willen stehe ich dieser letztgenannten Gruppierung deutlich n\u00e4her als gegen\u00fcber der gro\u00dfen Mehrheit, die mich ja zum Einzelg\u00e4nger gemacht hat. Richtig zugeh\u00f6rig aber f\u00fchle ich mich nach wie vor zu keiner dieser Gruppen. Fassen wir noch einmal zusammen, was bereits geschrieben wurde und erg\u00e4nzen das weiter oben Ausgef\u00fchrte:<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen nicht woher wir kommen und wohin wir gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen aber gesichert wissen, das sich Leben entwickelt. Diese Entwicklung ist nach wie vor im Gange und sie schreitet zur Zeit von der Moderne \u00fcber die Postmoderne zur Metamoderne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vielheit der Glaubensrichtung l\u00e4sst nur den Schluss zu: Wir wissen nicht, welche davon richtig ist. Daher ist Offenheit diesbez\u00fcglich angebracht. Auch die R\u00fcckbesinnung, die Woke-Kultur, die Wissenschaften selbst und auch das postmoderne Denken erf\u00fcllen die Kriterien einer Religion im weitesten Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten der Friedlichkeit des Zusammen-Leben-M\u00fcssen\u2019s wegen die Gesetze der Gemeinschaften, denen wir angeh\u00f6ren, befolgen. Dazu geh\u00f6rt auch, im Protest und im Anders-Sein-Wollen nicht \u00fcber die Grenzen des Vereinbarten hinauszugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn wir nicht wissen k\u00f6nnen, sollten wir uns doch zumindest im Denken einen Sinngehalt erarbeiten. Dazu ist es notwendig, die Entwicklung des Prozesses zu begreifen, in dem wir uns gerade vorw\u00e4rts bewegen und die Motive zu erkennen, die uns noch offen stehen und die daher zu erarbeiten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist die Entwicklung der mir noch offen anmutenden Motive von m\u00f6glichen Lebensinhalten ein gro\u00dfes und Zeit-f\u00fcllendes Anliegen. Informiert sein, zu verstehen, wo wir stehen, wohin wir gezogen werden, was zu tun und zu lernen ist und welche Ursachen diese Situationen aufweisen sind f\u00fcr mich daher unabdingbar. Daher beschreibe ich, was ich sehe, was ich missbillige, was ich erkenne und welche Gedanken dazu mir im Sinn erscheinen. Es ist wichtig f\u00fcr mich, meine Entwicklung voranzutreiben. Aber ich m\u00f6chte das tun, ohne mich an vorgefertigten Erz\u00e4hlungen zu orientieren. Zugegeben, oftmals ist es der Zufall, vielleicht aber auch Intuition, die mich zu einem weiteren Thema vordringen l\u00e4sst und das ich dann mit Akribie und Hartn\u00e4ckigkeit zu erfassen suche. Manche Erkenntnis erw\u00e4chst aus K\u00f6rper\u00fcbungen wie Yoga, andere erscheinen aus Tr\u00e4umen oder Meditationen, die h\u00e4ufigsten allerdings keimen auf nach einem einfachem Sitzen in Stille. K\u00f6rper und Geist sind f\u00fcr mich nicht getrennt zu erfahren. Sie sind eine Einheit, die sich zwar in Polarit\u00e4ten ausdr\u00fcckt, aber sich nie irgendwie klar definiert und einseitig zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, was erschlie\u00dft sich aus dem Beschriebenen f\u00fcr mein Leben? Das ist ja der eigentliche Sinngehalt des Autobiographischen. Ich habe ein 70 lange Jahre andauerndes Leben hinter mir, bin seit fast 7 Jahren im Ruhestand und erlebe mich Tag f\u00fcr Tag in einem ausgef\u00fcllten und gut strukturiertem Leben. Ich bin gesund, habe ein ausreichendes Einkommen und verf\u00fcge trotz vieler Termine durch meine Yoga- und Gymnastikarbeit sowie den allt\u00e4glichen Aufgaben \u00fcber gen\u00fcgend Zeit, meine Gedanken ziehen zu lassen. Daran gibt es nichts auszusetzen. Auch \u00fcber dem immer n\u00e4her kommenden Ende meines Lebens sehe ich ohne Sorgen entgegen. Ich habe weder Abh\u00e4ngigkeiten noch Verpflichtungen aufgebaut, die durch meine Abwesenheit k\u00fcrzerer, l\u00e4ngerer oder auch endg\u00fcltiger Art erheblichen Verlust hinterlassen k\u00f6nnten. Weiterhin habe ich keinerlei Reicht\u00fcmer angeh\u00e4uft, die verteilt und erstritten werden m\u00fcssten, hinterlasse weder Schulden noch andere zu erf\u00fcllende Vertr\u00e4ge und die wenigen Dinge in meinem Besitz werden sich schnell verteilen lassen. Selbst f\u00fcr meine Bestattung habe ich genug Geld angespart. Ich sehe dem Tod, dem ich nicht entweichen kann, gelassen entgegen. Er wird meine letzte gro\u00dfe Reise werden, und ich bin gespannt, wohin es mich bef\u00f6rdert, falls \u00fcberhaupt. Trotzdem werde ich um jeden Tag k\u00e4mpfen, denn ich habe beschlossen, steinalt zu werden und keine Flinten ins Korn zu werfen. Was mir bleibt, ist doch zuerst, mich um die Abteilungen meines Seins zu k\u00fcmmern, die diese letzte Reise antreten werden. Das wird kein Haus, kein Garten, keine Firma und keine von mir abh\u00e4ngigen Person sein, sondern einzig und allein das bisschen Geist, das ich mein eigen nenne und diese Reise wohl ganz allein antreten wird. Zumindest sah ich bisher niemand vor mir gehen, der etwas anderes als seinen Geist auf die Reise geschickt hat. Und diesen Geist m\u00f6chte ich in guter Verfassung, gut vorbereitet und schlagfertig eingerichtet los senden. Dazu muss dieser gekl\u00e4rt, unabh\u00e4ngig ausgeformt und gut ausgestattet sein mit allem Wissen, das auf dieser Welt noch zu ergattern ist. Viel ist es ja nicht gerade, aber immerhin, es gibt jeden Tag Neues und Interessantes hinzuzuf\u00fcgen. Und das wird mein Arbeitsgebiet sein, solange ich noch denken kann, sei es durch Studien, sei es durch Reisen, durch Schreiben, durch Yoga und andere \u00dcbungsformen, durch Meditation und Zazen und nat\u00fcrlich im Alltag mit seinen immer wiederkehrenden Verpflichtungen. Da gibt es noch viel zu tun, finde ich. Und wenn das Angenehme durch etwas N\u00fctzliches erg\u00e4nzt werden kann, werde ich das auch noch angehen. Zum K\u00e4mpfen ist der Mensch in meiner Vorstellung niemals zu alt. Wir sollten es auch gebrauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich ist der Satz \u201eIch wei\u00df nicht wirklich, warum oder wieso wir sind, aber es erscheint mir gut zu sein so, wie es ist\u201c f\u00fcr mich der Quell meines Weitergehens. Ich bleib\u2019 noch eine lange Weile dran, versprochen.<\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-742'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='fn-742-1'> Das Wort Dekonstruktion (vgl. franz\u00f6sisch d\u00e9construction \u201aZerlegung, Abbau\u2018; ein Portmanteauwort aus \u201eDestruktion\u201c und \u201eKonstruktion\u201c) bezeichnet eine Reihe von Str\u00f6mungen in Philosophie, Philologie und Werkinterpretation seit den 1960er-Jahren. Dekonstruktivisten bem\u00fchen sich um den Nachweis, dass \u2013 und vor allem: wie \u2013 ein Text seine Bedeutung selbst hinterfragt, durchkreuzt und gerade mit solchen Paradoxien Sinn schafft, z. B. durch Widerspr\u00fcche zwischen inhaltlicher Aussage und sprachlicher Form. Die Methode der Dekonstruktion ist ein kritisches Hinterfragen und Aufl\u00f6sen eines Textes im weiteren Sinn. Wikipedia.org <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-742-2'> Gerald H\u00fcther ist ein deutscher Neurobiologe. Er publizierte insbesondere zur experimentellen Hirnforschung und ist Autor popul\u00e4rwissenschaftlicher Schriften. Wikipedia (DE) <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-742-3'> Woke (englisch f\u00fcr \u201eaufgewacht, wach; aufmerksam, wachsam\u201c) ist ein im afroamerikanischen Englisch in den 1930er Jahren entstandener Ausdruck, der ein \u201ewachsames\u201c Bewusstsein f\u00fcr mangelnde soziale Gerechtigkeit und Rassismus beschreibt&#8230;Laut Duden bedeutet woke: \u201ein hohem Ma\u00df politisch wach und engagiert gegen (insbesondere rassistische, sexistische, soziale) Diskriminierung\u201c. Zudem wird der Ausdruck woke inzwischen von Konservativen und Rechten als anti-wokeness politisch instrumentalisiert und \u2013 wie die Ausdr\u00fccke politische Korrektheit, Cancel Culture und Social Justice Warrior \u2013 mit negativer Konnotation zudem h\u00e4ufig sarkastisch verwendet, um Linke und ihre Ziele abzuwerten. Wikipedia.org <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-742-4'> Der Begriff Aufkl\u00e4rung bezeichnet die um das Jahr 1700 einsetzende Entwicklung, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu \u00fcberwinden. Wikipedia.org <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-742-5'> Moderne bezeichnet historisch einen Umbruch in zahlreichen Lebensbereichen gegen\u00fcber der Tradition, bedingt durch Industrielle Revolution. Wikipedia.org <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-742-6'>Im engeren Sinn ist die Postmoderne eine umstrittene politisch-wissenschaftlich-k\u00fcnstlerische Richtung, die sich gegen bestimmte Institutionen, Methoden, Begriffe und Grundannahmen der Moderne wendet und diese aufzul\u00f6sen und zu \u00fcberwinden versucht. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-742-7'> Die \u201eMetamoderne\u201c als Begriff entwickelte sich zuerst unabh\u00e4ngig voneinander in verschiedenen Diskursen in Kultur- und Sozialwissenschaften sowie Philosophie. Inzwischen bezeichnet der Begriff auch eine sich derzeit herausbildende neue Kultur und Epoche, welche zwischen Aspekten der Moderne und der Postmoderne vermittelt, beider Vereinseitigungen bzw. Verdr\u00e4ngungen vermeidet und ihre progressiven Z\u00fcge integriert. In diesem Sinne geht die Metamoderne \u00fcber die Moderne und Postmoderne sowie beider Krisen hinaus und er\u00f6ffnet neue Entwicklungspotenziale von Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Wikipedia.org <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-742-7'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div><div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F742&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F742&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=742\" data-timestamp=\"1726076728\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D742&text=Reflexionen%20%C3%BCber%20Autobiographisches\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D742\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span data-service=\"facebook\" style=\"color:#3b5998\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will \u00fcber das Wissen und Denken schreiben, das mich pr\u00e4gt. Dazu geh\u00f6rt die Rolle des Einzelg\u00e4ngers, der ich nie sein wollte und die mir sozusagen aufgezwungen wurde. Diese Entwicklung ist im Exkurs Mobbing, Bossing und Einzelg\u00e4ngertum autobiographisch am Anfang schon beschrieben. Familie, Ausbildung, Arbeitswelt und Freundeskreise sind die pr\u00e4genden Motive der Seins-Ausrichtung heute. In Vergessenheit geraten zunehmend die Glaubensfragen der Religion, in die hineingeboren des Menschen Los ist als auch die gesellschaftlichen Ausrichtungen, die mit den Stichworten Gesinnung und Ideologie beschrieben und zusammenfassend als Weltsicht gelesen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":552,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[27,3,19,4],"tags":[119,90,118,51,43,121,7,50,117,89,115,84,116,120,28,12,114],"class_list":["post-742","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erleben","category-lebensweisheiten","category-philosophie-und-spiritualitat","category-stimmungen","tag-allein","tag-bossing","tag-einzelgaenger","tag-freiheit","tag-glauben","tag-ich-weiss-es-nicht","tag-leben","tag-lebensabend","tag-metamoderne","tag-mobbing","tag-moderne","tag-narrativ","tag-postmoderne","tag-ratio","tag-sinn","tag-vertrauen","tag-woke"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/742","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=742"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/742\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":744,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/742\/revisions\/744"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/552"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=742"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=742"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=742"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}