{"id":650,"date":"2019-12-20T17:27:21","date_gmt":"2019-12-20T17:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=650"},"modified":"2019-12-20T17:38:37","modified_gmt":"2019-12-20T17:38:37","slug":"fragen-freiheit-und-lebensabend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=650","title":{"rendered":"Fragen, Freiheit und Lebensabend"},"content":{"rendered":"\n<p>Mich haben seit meiner Jugend viele Fragen besch\u00e4ftigt, von denen einige zu den grundlegenden Fragen der Philosophie geh\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings war meine Ausgestaltung dieser Fragen nicht auf einen theoretischen Ablauf ausgerichtet, sondern meist durchaus praktischer Natur. Trotzdem hei\u00dft \u201epraktisch\u201c nicht immer auch oberfl\u00e4chlich, denn auch Praxis verlangt in letzter Konsequenz gedankliche Tiefe und Gr\u00fcndlichkeit. \u00dcber einige dieser Tiefen-Fragen m\u00f6chte ich jetzt in diesen Zeilen f\u00fcr mich eine Frage beantworten, die seit einiger Zeit mein Denken beherrscht: Was mache ich mit und in meinem Ruhestand, der mit jedem vergangenen Tag immer n\u00e4her heranr\u00fcckt. Wo befinde ich mich dann, was wird sein und was wird mich dann noch erf\u00fcllen? Das ist die Fragestellung dieser Zeilen.  <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Wer bin ich?<\/strong><br>\nDas ist im\nnormalen Umfeld und unter normalen Bedingungen eine unsinnige Frage.\nDie Antwort lautet meist: Du bist der Hansi Peter oder einfach nur\nein einzelner Mensch, ein Mann oder bei antwortenden aufgekl\u00e4rten\nMenschen ein konkreter Mitmensch. Allerdings ist der Name, der Mensch\nnur ein Wort. Bereits der anders sprachige Mitmensch wird dieses Wort\nschon nicht verstehen. Hinter dem Wort steht eine Idee, eine\nKategorie <sup class='footnote'><a href='#fn-650-1' id='fnref-650-1' onclick='return fdfootnote_show(650)'>1<\/a><\/sup>, ein Teil der beschreibbaren\nWelt oder ein Gegenstand, wobei das neue Wort wie das alte nur ein\nweiteres Wort darstellt. Wir k\u00f6nnen dieses Spiel immer weiterf\u00fchren\nund werden selten bzw. nie ein Ende finden. Unser Denken benutzt\nW\u00f6rter, die etwas bezeichnen, um andere W\u00f6rter, die etwas\nbezeichnen, zu bezeichnen. Wenn wir also eine sogenannte Aussage\nmachen wie ich bin ein Mensch, und das ist ein Wesen, das denkt und\nauf dieser Welt wandelt, benutzen wir W\u00f6rter, um ein Wort zu\nbeschreiben. Da wir so aber immer im Relativen bleiben, k\u00f6nnen wir\nauch nur relative Aussagen machen. Relative Aussagen gelten aber nur\nin einem bestimmten Rahmen, den wir dann ebenfalls zu setzten haben,\nwobei wir auch hier immer in der Relation bleiben m\u00fcssen.\nZur\u00fcckkommend auf die Ausgangsfrage k\u00f6nnen wir daher in der\nRelation viele Aussagen machen, im Absoluten aber keine. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was bin ich?<\/strong><br>\nWenn ich\ndiese Frage beantworte und dabei etwas M\u00fche hineinlege, wir ein Satz\nherauskommen, der mich als Mensch begreift, ein Wesen, das sich aus\nder Masse der Wesen abhebt durch Eigenschaften und F\u00e4higkeiten, die\nin dieser Formation nur dieser Gattung aufzufinden ist. Meist wird\nder Mensch in diesem Kontext beschrieben als bewusst, also als ein\nWesen, das denkt und sich dieser F\u00e4higkeit auch bewusst ist. Eine\netwas kompliziertere, aber auch genauere Beschreibung w\u00fcrde lauten,\ndas der Mensch ein Wesen ist, das denkt, sich dessen bewusst ist und\nsich dieses Bewusstseins auch  vergegenw\u00e4rtigen kann, wobei das\n\u201ekann\u201c ein wirkliches kann ist, Menschen k\u00f6nnen das, m\u00fcssen es\naber nicht und k\u00f6nnen es auch lassen, was, wenn man Mitmenschen\ngenau beobachtet, auch oftmals genauso zu geschehen scheint. Ich bin\nalso ein Mensch mit dieses F\u00e4higkeiten und Anlagen. Und ich bin frei\nsie zu nutzen oder auch nicht. \n<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p><strong>Warum bin ich hier?<\/strong><br>\nJetzt\nund mit dieser Frage beginnt eine gewisse Spannung in die\nFragestellungen zu geraten, denn hier  k\u00f6nnen, je nach Art, Tiefe \nund Neigung der Betrachtung sehr unterschiedliche Ergebnisse\nherauskommen. Hier sind der Phantasie keinerlei Grenzen gesetzt.\nGrundlegend unterscheide ich hier zwei Kategorien, wobei ich der\nErsten eine Grundannahme anheimstelle und der Zweiten eine\nGrundannahme grunds\u00e4tzlich verwehre. Diese Grundannahme stellt die\nExistenz einer Autorit\u00e4t oder Ursache nicht in Frage, die Absolut\ngenannt werden kann. In unserer Alltagssprache hei\u00dft das dann Gott,\nAtman, das Universum, der Ursprung, das Schicksal, die Vorsehung oder\n\u00e4hnlich. Hier wird ein Absolutes zugrunde gelegt, das au\u00dferhalb der\nRelativit\u00e4t unseres Denkens steht und Macht oder etwas\nUnab\u00e4nderliches besitzt. Alle Religionen, nahezu alle Kulturen und\nOrganisationsformen der Menschen besitzen ein solch Absolutes oder\nbestimmen einen oder etwas aus ihrer Mitte, um dieses Zentrum zu\nschaffen. Die andere Kategorie verzichtet g\u00e4nzlich auf die Existenz\noder Installation eines Absoluten und findet sich somit ab in der\nUngewissheit des Relativen, wobei auch hier Regeln und Kulturformen\nentwickelt werden, die folgerichtig  als bewusst-relativ verstanden\nwerden. Diese kategorische Form ist sehr schwierig zu beschreiben, da\ndas Kreisen in der Relation andere Formen der Autorit\u00e4t notwendig\nmacht. Als Beispiel der letzten Form seien der  Advaita Vedanta und\nder Buddhismus des Mahayana genannt. Unz\u00e4hlige Antworten gibt es\nalso auf die Ausgangsfrage und es gelingt nicht, diese Frage zu einem\nAbschluss zu bringen. Sie bleibt offen und verlangt damit vom\nFragenden eine Entscheidung, die immer wieder neu bekr\u00e4ftigt werden\nmuss.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Habe ich hier auf der Welt eine\nAufgabe zu erf\u00fcllen?<br>\n<\/strong>Nahezu alle Kulturen, Religionen und\nAnsichten in und \u00fcber die Welt beantworten diese Frage mit ja, und\nim gleichen Kontext w\u00fcrde eine Antwort nein stets als eine\nkrankhafte Geistesst\u00f6rung angesehen. Was ist oder kann also Aufgabe\neines Lebens sein. Da wir auch hier in Relationen denken m\u00fcssen sind\nviele Antworten m\u00f6glich. Die grundlegendsten davon beinhalten immer\ndie Fortsetzung, den Erhalt der Art, des Lebens und damit der uns\nbekannten Welt. Es ist bezeichnend f\u00fcr diese Fragestellung, das eine\nAntwort nein auch das Erl\u00f6schen der Frage bedeuten w\u00fcrde. Setze ich\ndie m\u00f6glichen Rahmen der Betrachtung enger, k\u00f6nne eine Antwort\nm\u00f6glich sein, das Leben auf der Welt zu verbessern (Hunger, Armut,\nNot abzuschaffen) oder \u00fcber \u00d6ffnung und Weitung des Bewusstseins\nneue M\u00f6glichkeiten zu erschlie\u00dfen. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist wichtig?<br>\n<\/strong>Diese\nFrage fragt nach einem Rahmen, in den ich k\u00fcnftige Entscheidungen\neinbetten kann und mir eine Hilfe dabei gibt, die mir Sicherheit\nvermittelt. Doch wie wir gesehen haben in der Argumentation oben,\ngibt es keine richtige, keine einzige Antwort auf diese Frage\nau\u00dferhalb der Relativit\u00e4t. Auch hier ist der Rahmen von mir selbst\nzu setzen, und innerhalb dieser Konfiguration dann sind\nEntscheidungen sicher m\u00f6glich. Es gibt sehr weite Rahmen, sehr enge\nRahmen, beide mit der M\u00f6glichkeit gro\u00dfer Autorit\u00e4ten oder auch,\nwie in den bereits genannten Weltanschauungen, der Verzicht auf\nSetzungen. Wichtig auf jeden Fall ist die Annahme, dass unser Leben\nals Art erhaltenswert ist und weitergef\u00fchrt sollte. Damit verbunden\nist auch die Sorge um die Erde, die zumindest heute die einzig\nm\u00f6gliche Lebenswelt darstellt. Wichtig w\u00e4re also zu leben, das\nLeben und somit auch die Erfahrungen und Wissen dar\u00fcber\nweiterzugeben an k\u00fcnftige Generationen.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Wie wir bisher sehen konnten kreisen\ndie Fragen nach dem Grund und der Gestaltung eines Lebens immer um\ndie gleichen Punkte, und wie immer die Fragen auch umgestaltet\nwerden, die m\u00f6glichen Antworten handeln von sich wiederholenden \nMotiven:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\nMeine Antworten k\u00f6nnen immer\n\tnur relativ gestaltet sein, ben\u00f6tigen eine Rahmensetzung\n\t<\/li><li>\nSolche Rahmen werden\n\tWeltbild, Religion oder Kultur genannt. Sie regeln das Zusammenspiel\n\teinzelner Wesen.\n\t<\/li><li>\nWichtig erscheint einzig die\n\tWeiterf\u00fchrung der lebendigen Welt, die zurzeit nur auf diesem\n\tPlaneten bestehen kann.\n\t<\/li><li>\nWir haben auf jeden Fall eine\n\tAufgabe.\n<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In den grundlegenden Fragen gibt es\nnicht Gerechtigkeit, nicht definierte Besitzst\u00e4nde, nicht Macht,\nnicht Status und nicht Notwendigkeit. Was wir leicht erkennen k\u00f6nnen\nist die \u00fcberm\u00e4chtige Wirksamkeit der fortgesetzten Relativit\u00e4t\naller Annahmen und die Notwendigkeit, sich f\u00fcr seine Person zu\nentscheiden. Was wichtig wird, ist in welchem Rahmen ich leben\nm\u00f6chte: selbstbestimmt oder aus einer Nicht-Entscheidung heraus,\nindem ich fraglos akzeptiere, was gerade so ist. Letzteres bedeutet,\nin eine Kultur und Religion hineingeboren zu sein, dort ein durch\ngeregeltes Leben zu leben ohne Wenn und Aber, ohne Fragen und \u2026\nohne Unsicherheit, denn genau diese Sicherheit ist ja der Kern jeder\nkulturellen Anbindung. Seltsam f\u00fcr mich ist, dass die meisten\nMenschen die letztgenannte M\u00f6glichkeit w\u00e4hlen. Wenn ich so in die\nRunde meiner Gespr\u00e4che schaue geht es \u00fcberwiegend um Status (wie\ndenken andere \u00fcber mich, und ich \u00fcber andere), geht es um die\nBew\u00e4ltigung des Alltags in einer Kultureinbettung, die nicht\nhinterfragt wird, geht es um Gerechtigkeit (andere haben etwas, was\nmir vorenthalten wird\u2026), geht es um Besitz (Haus, Familie, Boot,\nBesitz) und nicht zuletzt um Macht (wer bestimmt, was jetzt und\nmorgen Alltag ist und wird). Wie aber sollen Antworten oder\nM\u00f6glichkeiten von Antworten zu Fragen gefunden werden k\u00f6nnen, wenn\ndie Basis, der Hintergrund und das Fundament nicht ausgeleuchtet\nwurden. Und daher m\u00f6chte ich jetzt eine weitere grundlegende Frage\neinf\u00fcgen, die aufgrund der letzten Zeilen doch unabk\u00f6mmlich zu sein\nscheint: Sind die Rahmen und Rahmenentscheidungen, die ich einmal\ngetroffen habe, \u00fcber ein ganzes Leben g\u00fcltig, und muss ich nicht,\nzumindest wenn ein neuer Abschnitt des Lebens bevorsteht\n(Entscheidung f\u00fcr Familie, f\u00fcr ein anderes Umfeld, f\u00fcr einen\nRuhestand), diese nicht von Grund auf neu zu setzen? Und muss ich vor\nallen anderen Fragen nicht dabei wieder mit der allerersten Frage <sup class='footnote'><a href='#fn-650-2' id='fnref-650-2' onclick='return fdfootnote_show(650)'>2<\/a><\/sup> beginnen. \n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geht es mir und anderen weiterhin\ngut mit meinen Entscheidungen?<br>\n<\/strong>F\u00fcr die neue Frage, die hier\netwas knapper formuliert ist, ben\u00f6tige ich neue Kriterien der\nBeurteilung, neue Hilfestellungen und Karten, die aus dem Dickicht\nf\u00fchren helfen. Anders ausgedr\u00fcckt, m\u00fcssen zu den Kriterien, die\nich bisher zugrunde gelegt habe, neue hinzukommen, um die alten\nRahmen und Entscheidungen \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen und erweiternd, um\nneue Inhalte \u00fcberhaupt auffinden zu k\u00f6nnen? Was k\u00f6nnten das f\u00fcr\nKriterien sein? <br>\nDoch betrachten wir zun\u00e4chst einmal ein paar\nm\u00f6gliche Lebensabschnitte, die andere oder spezielle\nRahmenentscheidungen ben\u00f6tigen. Als Kind sind wir, wenn es gut\nl\u00e4uft, von Eltern umsorgt, deren Augenmerk darauf gerichtet ist, uns\ndas n\u00f6tige Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem ein Leben\ngestartet werden kann. Dann kommt die Zeit des Lernens, in der ich\ndie F\u00e4higkeit entwickle, in der mich umgebenden Welt zurechtzukommen\nund zu bestehen. Dann gr\u00fcnde ich eine Familie und erziehe und bilde\nden Nachwuchs aus, der die Aufgabe der Sicherung der Art konsequent\nverfolgt. Parallel dazu schaffe ich f\u00fcr mein Leben die Sicherheiten,\ndie ich brauche, um gestaltend weiterzugehen und alt werden zu\nk\u00f6nnen. Und dann kommt der letzte Abschnitt, der Ruhestand. Wenn es\ngut l\u00e4uft, sollte sp\u00e4testens dann alles getan sein und das Leben\nsollte frei werden d\u00fcrfen, denn die Aufgaben sind erf\u00fcllt, die\nNotwendigkeiten sind erledigt und die Sicherheiten sind gegeben. Muss\nder neue Lebensabschnitt, das sei zu bedenken, nicht aus diesem\nGrunde schon auf neue Fundamente, neue Rahmen gesetzt werden? Und\nwelche Kriterien helfen bei der Neuausrichtung?<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p><strong>Wohin kann\/wird mein Weg mich\nf\u00fchren?<br>\n<\/strong>Der Ruhestand baut auf einer Einbettung in die\nkulturellen Sicherheiten auf, in der wir unser bisheriges Leben\ngestaltet haben. Da sind die Sozialkontakte, die mich einerseits\nunterhalten und die andererseits f\u00fcr die vielen kleinen\nHilfestellungen notwendig sind, die f\u00fcr mich als \u00e4lterer Mensch\nnotwendig werden. Dann ist die materielle Sicherheit zu erw\u00e4hnen,\ndie mir ein unbeschwertes Leben ohne Not erm\u00f6glicht. Sind beide\nvorhanden, kann die Zeit mit sinnvollen, darunter durchaus auch\nnutzlosen T\u00e4tigkeiten und Ideen gef\u00fcllt werden. Dazu helfen die\nkonventionellen Rahmenbeschreibungen nicht mehr weiter, es sei denn,\nman ignoriert den Beginn des neuen Lebensabschnitts und macht einfach\nweiter wie bisher. Haus und Garten pflegen, die Enkel versorgen und\nfernsehen ab dem fr\u00fchen Abend w\u00fcrde ich in diesem Rahmen erw\u00e4hnen\nwollen. Hat man sich aber mal mit grundlegenden Fragen besch\u00e4ftigt,\nwird das einfach nicht ausreichen, um dem weiteren Leben Sinn und\nF\u00fclle zu verleihen. Dann sind zumindest f\u00fcr mich die Fragen n\u00e4mlich\nneu zu stellen, neu zu untersuchen, auf was denn das Leben beruht.\nDenn erst jetzt, in fortgeschrittenem Alter, wird f\u00fcr diese\nSisyphus-Aufgabe gen\u00fcgend Zeit zu Verf\u00fcgung stehen. Seit\nMenschengedenken sind es die Alten, die, von der Plage des Alltags\nentlastet, als Ratgeber der j\u00fcngeren Generationen fungierten. Ohne\nAufgabe und offenen Auges durch die Welt schlendernd, sehend, wozu\nanderen die Zeit fehlt, fragend dort, wo andere durch\nAufgabenerf\u00fcllung zu tief im Allt\u00e4glichen verstrickt sind, gelingt\nihnen diese segensreiche Arbeit ohne M\u00fche, denn Zeit und Freiheit\nsind die grundlegenden Motive f\u00fcr das Gelingen von Weisheit, wie\ndiese Gabe seit alters her genannt wird. Das Menschen weise sein und\nwerden k\u00f6nnen scheint aus unserer Kultur fast vollkommen\nverschwunden zu sein. Das ist in meinen Augen ein gro\u00dfer Verlust,\ndenn das Spezialistentum, das wir an seine Stelle gesetzt haben, mag\nzwar \u00fcber reichlich Wissen und Systematik zu verf\u00fcgen, aber\nErfahrung haben diese gehetzten Menschen oft nicht, auch verf\u00fcgen\nsie nicht \u00fcber nutzlos verbrachte Zeit und schon gar nicht \u00fcber die\nFreiheit, auch ungesetzte Gedanken verfolgen zu k\u00f6nnen.  <br>\nSo\ndie Fragestellung verfolgend, komme ich jetzt wieder zu den Kriterien\nzur\u00fcck, die zu dem Gedankengeb\u00e4ude gef\u00fchrt haben. Denn die\nRahmenbedingungen, die m\u00f6glich sind und die zu weiteren Aktivit\u00e4ten\nund \u00d6ffnungen f\u00fchren k\u00f6nnen, hei\u00dfen Freiheit, Zeit haben und\nunbeschwert in den Tag hineingehen zu k\u00f6nnen sowie unbeschwert und\nohne Ziel sein Denken vertiefen zu k\u00f6nnen. Das Ziel, kurz genannt,\nsei Weisheit. Das ist f\u00fcr mich die Aufgabe eines erf\u00fcllten\nRuhestandes, die T\u00e4tigkeit im alt und frei sein. Um Weisheit zu\nentwickeln muss der Fokus auf das Leben, auf den neuen Tag, auf den\nRestbestand an Tagen sich \u00e4ndern d\u00fcrfen. Hierzu ist nicht \u201eimmer\nweiter so\u201c gefragt, sondern gefragt sind vielmehr anhalten,\nschauen, wirken lassen, offen bleiben und alles und jedes\nhinterfragen zu d\u00fcrfen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ich f\u00fcr mich werde dieses Ziel\nverfolgen, wenn mein letzter Arbeitstag vergangen ist. Ich f\u00fcr mich\nhabe vor, weise zu werden. Und wenn es denn gelingen sollte, sehe ich\nweiter und dann schreibe ich auch dar\u00fcber, wenn Finger und\nAugenlicht dies noch zulassen. Und ich bin genauso gespannt auf das\nErgebnis wie der Leser dieser Zeilen.  So stelle ich mir den\nAbschluss vor, den Lebensabend, und so werde ich ihn hoffentlich auch\nbestreiten! \n<\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-650'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='fn-650-1'> Gattung, Klasse, Gruppe <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-650-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><li id='fn-650-2'>\nWer bin ich oder spekulativ: wer will ich sein? <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-650-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div><div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F650&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F650&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=650\" data-timestamp=\"1576863517\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D650&text=Fragen%2C%20Freiheit%20und%20Lebensabend\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D650\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span data-service=\"facebook\" style=\"color:#3b5998\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Mich haben seit meiner Jugend viele Fragen besch\u00e4ftigt, von denen einige zu den grundlegenden Fragen der Philosophie geh\u00f6ren. <\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Allerdings war meine Ausgestaltung dieser Fragen nicht auf einen theoretischen Ablauf ausgerichtet, sondern meist durchaus praktischer Natur. 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