{"id":64,"date":"2017-07-19T20:17:08","date_gmt":"2017-07-19T20:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.com\/?p=64"},"modified":"2019-01-09T14:22:50","modified_gmt":"2019-01-09T14:22:50","slug":"ich-lebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=64","title":{"rendered":"Ich Lebe&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Wie oft habe ich schon dar\u00fcber nachgedacht, was diese Worte wohl bedeuten m\u00f6gen: ich lebe&#8230;, und in der Profanit\u00e4t dieser Aussage, die meist zun\u00e4chst ein mitleidiges L\u00e4cheln hervorbringt, dass aber dann schnell gefriert, wenn die Dimensionen offenbar werden, die diesen zwei Worten innewohnen, gelangt das Denken in einen Knoten, der dem ebenb\u00fcrtig ist, den einst Alexander mit dem Schwert zerschlug. <!--more--><\/p>\n<p>Wir wissen wenig \u00fcber das, was wir Leben nennen, au\u00dfer, dass es angef\u00fcllt sei mit Freud und Leid, mit Wachsein und Schlaf, oder wie auch immer die Gegens\u00e4tze hei\u00dfen m\u00f6gen, die gerne von uns dem Leben so achtlos zugeschrieben werden und die wir oft so fraglos akzeptieren. Und doch greift hier die L\u00f6sung nicht, die den Gordischen Knoten einst ereilte, denn das Leben zu zerschlagen bedeutet auch, die L\u00f6sung der Frage zu zerschlagen, die sich hinter den Worten \u201cich lebe\u201d verbirgt. Das Seltsame an diese R\u00e4tsel ist die R\u00fcckbez\u00fcglichkeit, in der das Lebendige sich selbst als \u201clebendig\u201d erkennt, und das ist etwa so, wie wenn das Rote sich als \u201crot\u201d, das Blinde sich als \u201cblind\u201d und das Taube sich als \u201ctaub\u201d erkennt, gibt es doch kein Anderes, das dem Blinden erkl\u00e4rt, wie die Welt aussieht oder die dem Tauben begreiflich macht, was ein Ton sei, und wer einmal versucht hat, rot zu erkl\u00e4ren, wird das Wunder erkennen, das diesem Satz \u201cich lebe\u201d innewohnt.<\/p>\n<p>Seit mehreren tausend Jahren schon zerbrechen sich Gelehrte aller Kulturen den Kopf \u00fcber dieses Wunder. Und au\u00dfer der Erg\u00e4nzung \u201calso bin ich\u201d scheint nur wenig Sinnvolles diesen Worten hinzuzuf\u00fcgen zu sein. Und selbst&nbsp; diese Erweiterung hilft dem Fragenden keinen Millimeter weiter, denn \u201cich bin\u201d ist genauso gordisch wie \u201cich lebe\u201d. Und wie immer wir auch unsere Gedanken ordnen, welche Grundeinstellung wir auch immer dem Denken und dem Handeln zugrunde legen, immer wieder enden wir bei diesen Worten und kein Weg f\u00fchrt \u00fcber sie hinaus. Zahllos sind die Versuche, mittels \u201cich bin (nicht) dies\u201d oder \u201cich bin (nicht) das\u201d der Unausweichlichkeit zu entgehen, und obwohl ich dann diesem \u201cdies\u201d oder \u201cdas\u201d tausend Eigenschaften und Seinsweisen zuschreiben kann, die dem Denkenden dann zu Schlussfolgerung und Handlung n\u00f6tigen, bleibt alles doch nur Spekulation oder blinder Glaube. Zum Denken brauche ich ein Zweites, brauche ich ein \u201cDuo\u201d, denn der Beginn des Denkens bildet ein \u201cwenn &#8230;, dann &#8230;\u201d, und dann erst schreitet es fort mit \u201c&#8230;also &#8230;\u201d. Wir nennen es Dualit\u00e4t, was so viel hei\u00dft wie \u201caus zwei mach\u2019 drei, und aus drei mach\u2019 viele\u201d. Aber dieses Zweite ist aus \u201cich bin\u201d nicht abzuleiten, und so bleibt letztlich nur die schon angedeuteten Umwege \u00fcber Spekulation oder Glaube.<\/p>\n<p>Aber es gibt einen weiteren Gedanken, nicht so offensichtlich zwar, der aber bei n\u00e4herem Hinsehen schnell eine M\u00f6glichkeit \u00f6ffnet, zu diesem Zweiten zu kommen, und der ohne Annahme und Zuweisung auskommt. Das Zauberwort dieser M\u00f6glichkeit ist Vertrauen, und dieser Gedanke gr\u00fcndet sich auf die Beobachtung und Schau der langen Reihe von Begebenheiten, die wir dem Leben so selbstverst\u00e4ndlich zuschreiben. Betrachten wir diese Reihe unvoreingenommen und ohne Scheu, so verwerfen wir schnell die Annahme, hier Auslese und Zuf\u00e4lle am Werk zu sehen. Zu folgerichtig und zu gezielt ist diese Reihe abgelaufen, zu schnell, um ohne einen Plan ausgekommen zu sein. Kein Spieler, auch nicht der Verr\u00fcckteste, w\u00fcrde eine Wette dar\u00fcber abschlie\u00dfen, dass sich aus einer Spore, einem Keim der einfachsten Art jemals durch Zufall ein Wesen sich entwickeln k\u00f6nne, das dem Menschen \u00e4hnlich oder ebenb\u00fcrtig sei. Und wenn es einen Plan geben muss, und wenn dieser Plan bis zum heutigen Tag funktioniert hat, recht und schlecht zwar, aber funktioniert, dann gibt es keinen Grund anzunehmen, dass er nicht auch weiterf\u00fchrend funktionieren sollte, recht und schlecht zwar, aber weiterf\u00fchrend. Und dieser Gedanke bedarf und verdient unser Vertrauen, und dieses ist es, was das Licht des Zweiten bildet, das wir brauchen, um im Dunkeln unseren Weg zu finden. Zugegeben, auch hier ist Spekulation im Spiel, aber die Chance ist doch ertr\u00e4glich gr\u00f6\u00dfer, als wenn wir aus der unendlichen Vielfalt des Seins eine Wahl treffen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dieses Vertrauen kann f\u00fcr den Einzelnen die Grundlage sein, das Leben seiner selbst zu gestalten. Aber mehr noch als dies hat der Plan des Lebens dieses Vertrauen hervorgebracht, hat letztlich den Gedanken erm\u00f6glicht, dieses so zu sehen, und die Frage dr\u00e4ngt sich auf, ob dieses Vertrauen nicht gebraucht wird, ja sogar notwendig ist, um den Plan weiterzuf\u00fchren. Und bevor wir uns Gedanken dar\u00fcber machen, wo diese Reise hingehen k\u00f6nnte und wieweit wir wohl kommen werden in diesem Leben, w\u00e4re es da nicht erst einmal sinnvoll, die Mittel f\u00fcr die Fahrkarte zu erwerben, die eine Weiterfahrt erst erm\u00f6glicht. Unsere bisherige Entwicklung hat uns aufgrund von Instinkt und Anpassung mehr automatisch zu dem Punkt gef\u00fchrt, den wir Bewusstsein nennen, und die weitere Entwicklung kann folgerichtig nur auf diesem aufbauen. Und im Bewusstsein unserer Selbst ist es der Wille, der uns weiter f\u00fchrt, und dieser Wille bedarf gerade des Vertrauens in das Leben und in uns selbst, denn der Weg der Evolution f\u00fchrt ins Neue und Unbekannte und f\u00fchrt somit auch durch das Tor der Angst und Fremdheit, die diesen beiden innewohnen.<\/p>\n<p>Selbstvertrauen und Vertrauen in das Leben sind der Schl\u00fcssel zu der T\u00fcr des Aufgangs, und dieser Aufgang f\u00fchrt in ein Neues und in ein Unbekanntes, dessen Dimension sich uns verschlie\u00dft, ja verschlie\u00dfen muss, denn Neues kann nicht aus Altem entstehen, und das, wor\u00fcber wir Wissen angeh\u00e4uft haben, ist alt. Neues kann nur auf Altem aufbauen, und weil das Alte das Fundament ist, sollten wir es fest und stabil gestalten, es erkunden und seine Schw\u00e4chen ausmerzen, damit das Neue sich sicher und dauerhaft auf und aus dem Altem entwickeln kann. Hier ist Geduld gefragt, M\u00fche und Sorgfalt notwendig, und ein langer Atem, um nicht auf halben Weg zu resignieren oder gar vorschnell auf unsicherem Grund ein wackeliges Haus zu bauen.<\/p>\n<p>Sorgfalt und M\u00fche sind wichtig, um zu dem Ziel zu gelangen, dass uns das Leben stellt, aber ohne Vertrauen gibt es kein Ziel. Und dieses Ziel kann f\u00fcr unser Denken und Wahrnehmen immer nur der \u00fcberschaubare n\u00e4chste Schritt sein, nicht mehr, aber auch nicht weniger.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F64&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F64&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=64\" data-timestamp=\"1547043770\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D64&text=Ich%20Lebe%E2%80%A6\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D64\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span data-service=\"facebook\" style=\"color:#3b5998\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie oft habe ich schon dar\u00fcber nachgedacht, was diese Worte wohl bedeuten m\u00f6gen: ich lebe&#8230;, und in der Profanit\u00e4t dieser Aussage, die meist zun\u00e4chst ein mitleidiges L\u00e4cheln hervorbringt, dass aber dann schnell gefriert, wenn die Dimensionen offenbar werden, die diesen zwei Worten innewohnen, gelangt das Denken in einen Knoten, der dem ebenb\u00fcrtig ist, den einst Alexander mit dem Schwert zerschlug.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":16,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[3],"tags":[5,7],"class_list":["post-64","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lebensweisheiten","tag-ich","tag-leben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=64"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":627,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/64\/revisions\/627"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=64"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=64"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=64"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}