{"id":570,"date":"2017-12-16T15:30:03","date_gmt":"2017-12-16T15:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=570"},"modified":"2017-12-16T15:30:03","modified_gmt":"2017-12-16T15:30:03","slug":"wir-haben-die-wahl-manchmal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=570","title":{"rendered":"Wir haben die Wahl, manchmal&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe gew\u00e4hlt, und die Entscheidung zu gehen, nach Neuem zu suchen, war bestimmt nicht einfach, war bestimmt nicht leicht, und sie hat Kraft gekostet. Heute glaube ich zwar zu wissen, dass ich gar keine Wahl getroffen habe, denn es gab in Wirklichkeit keine Alternative als diese, als mich so zu entscheiden, aber damals war ich mir so sicher nicht, und der Zweifel fra\u00df an meiner Selbstsicherheit wie der Rost an meinem Auto. Letztlich war es mein Stolz, eine an sich negativ besetzte Eigenschaft, die mich vorw\u00e4rts dr\u00e4ngte, die zu mir sagte: Du kannst hier nicht bleiben, du doch nicht&#8230;!. Ich bin heute sehr dankbar f\u00fcr diese Hilfe, und mein Verh\u00e4ltnis zu dieser Stolzheit hat sich deutlich gewandelt. Es ist oftmals gut, negative Eigenschaften zu besitzen, denn wo das Negative sich befindet, ist auch das Positive meist nicht weit. Und heute gehe ich denn diesen Weg ins Neue, von dem ich schon zu Beginn ahnte, ja f\u00fcrchtete, dass er so einfach nicht sein w\u00fcrde. Meine Bef\u00fcrchtungen wurden weit \u00fcbertroffen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Neue betreten bedeutet, ins Ungewisse zu gehen, bedeutet Altes aufzugeben, ohne zu wissen, was an seine Stelle treten wird. Das Alte, das so sch\u00f6n eingewohnte, sichere und vertraute, das alles hinter sich zu lassen ist ein bedeutender Schritt, ein Schritt, der Mut erfordert, und bei mir war es mehr der Mut der Verzweiflung als der der Neugierde. Ich sah einfach keine andere M\u00f6glichkeit mehr, als zu gehen, und vieles in mir verweigerte sich anfangs, und vieles str\u00e4ubt sich noch immer. Aber die Alternative, stehen zu bleiben, oder gar zur\u00fcckzukehren, verursachte in mir eine Flut von Bildern, die voller Schrecken waren, voller Langeweile, voller D\u00fcnkel und Aussichtslosigkeit. Bleiben? Hier? Nein, niemals, und so geschah der erste Schritt, getrieben vom eigenen Stolz, und in dem Wissen, dass dieser Schritt ein Schritt ohne R\u00fcckkehrm\u00f6glichkeit sein wird.<\/p>\n<p>Vieles hat sich ver\u00e4ndert seit jenem Tage, und es gibt Dinge und Wahrnehmungen in mir heute, von denen ich nicht die Spur einer Vorstellung mit in diese Welt mitgebracht habe. Ein Kommen und ein Gehen ist in mir aufgebrochen, und eine Entdeckung folgt der Vorherigen auf dem Fu\u00dfe. Nichts mehr von Langeweile, nichts von Wiederholung, kein Trott. Aber ich greife jetzt vielleicht etwas zu weit voraus. Der Weg ins Neue ist kein Weg in ein neues Leben, in eine neue Umgebung, der zu anderen Menschen oder der zu anderer Besch\u00e4ftigung f\u00fchrt. Nein, der Weg ins Neue f\u00fchrt nach Innen, f\u00fchrt zum in sich schauen, f\u00fchrt in sich selbst hinein. Das Drau\u00dfen bleibt vollkommen unber\u00fchrt, nichts \u00e4ndert sich hier. Und hier innen finden wir eine Welt, die in sich so gro\u00df und umfangreich ist wie die Welt da drau\u00dfen. Wie drau\u00dfen, so ist auch hier alles in Bewegung, herrscht auch hier ein Kommen und Gehen, steht die Welt niemals still. Und doch, um diese Bewegung zu Erfahren, muss es auch hier ein Stilles geben, denn wie anders als vor dem Stillen, dem Unbewegten, k\u00f6nnten diese Bewegungen wahrgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass, wo Bewegung ist, auch ein Stilles sein muss, verwirrt zun\u00e4chst, denn im Innen ist es anders als wir es gewohnt sind. Drau\u00dfen im Gro\u00dfen, im Makrokosmos, halten wir uns, den Menschen, das Individuum, f\u00fcr den stillen Moment, um den herum sich alles dreht. Aber Innen aber, im Menschen, im Individuum, wer oder was ist dort still? Diese Frage trifft sehr hart besonders dann, wenn man eine Antwort versucht, denn jede Antwort, jede These h\u00e4lt einer Untersuchung, einer Analyse nicht stand. Und letztlich bleibt die Frage allein zur\u00fcck, diese verfluchte Frage, und wo wir doch aus Verzweiflung aufgebrochen sind, wo wir den Abgrund verlassen wollten, tut sich jetzt ein neuer Abgrund auf, und dieser ist gr\u00f6\u00dfer als jeder Vorherige, und er besteht aus einer Frage, einer einzigen Frage: Was ist es, dass so still ist in mir? Was ist es, dass mir erlaubt, das anzuschauen, das ich oftmals als \u201dmich selbst\u201d bezeichnet habe? Ich sehe meinen K\u00f6rper sich bewegen, ich sehe Energien, oder was auch immer das sein mag, sich in mir r\u00fchren, ich sehe meinem Denken zu und oftmals lache ich innerlich laut angesichts der Dinge, die sich da ereignen. Aber, wer lacht da \u00fcber wen? Es ist und es bleibt verzwickt.<\/p>\n<p>Also da gibt es eine Frage, und ich habe viele Antworten versucht, und keine konnte bisher meinen Anspruch erf\u00fcllen. Was tun in dieser Not? B\u00fccher! Nat\u00fcrlich, wenn du etwas nicht wei\u00dft, dann lese es nach. Irgendwer hat sich bestimmt schon einmal damit besch\u00e4ftigt, irgendwer war genauso ratlos wie ich, und vielleicht hat er\/sie ein ganzes Leben gebraucht, um eine Antwort zu finden, und, er\/sie hat diese bestimmt aufgeschrieben. Ich zumindest w\u00fcrde dies tun. Und so begann ich zu lesen, Wort f\u00fcr Wort, Zeile um Zeile, Buch um Buch, Autor um Autor, und mein Regal f\u00fcr B\u00fccher wuchs und wuchs und wuchs. Vieles habe ich in den B\u00fcchern gefunden, brauchbares, unbrauchbares, und so manches meiner Wahrnehmung fand ich best\u00e4tigt, so manche Ansicht gest\u00fctzt und doch, letztlich blieben auch all diese Worte nur Worte. Viele Systeme wurden beschrieben, M\u00f6glichkeiten der Erfahrung, ja selbst Ansichten des Seins, aber die eine Frage beantworten konnten sie mir nicht. Die B\u00fccher halfen mir, das auszudr\u00fccken, was ich in mir fand, ja, sie halfen mir, eine Sprache zu bilden, um zu verbalisieren, sie halfen mir Vergleichen, Analysieren und all das&#8230; Doch die Frage, diese Frage, dieser Abgrund, er ist noch immer st\u00e4ndig pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Viele Anregungen erreichten mich \u00fcber dieses Lesen, \u00fcber Philosophie und Yoga, \u00f6stlich und westlich, von Kontemplation bis zu Meditation, von Tai Chi bis zu Bioenergetik, und alle sagen \u00fcbereinstimmend: Nur so geht es, nur mit mir kommst du ans Ziel, nur meine Weise ist die Richtige, und schaue nicht nach anderen, habe Geduld und \u00fcbe, gib dich hin, mache nur weiter dies und das und jenes und &#8230; und &#8230; und&#8230; Und manchmal frage ich mich, was hat das alles mit mir zu tun, was soll ich mit all dem, was soll ich denn blo\u00df davon halten? Und ich erinnere mich eines Wortes, das ich, es ist schon lange her, einmal gelesen habe: Ich wei\u00df, dass ich nicht wei\u00df, dass ich nicht wissen kann, und wenn ich wei\u00df, dass ich nicht wei\u00df, wei\u00df ich mehr als der, der zu wissen glaubt. Lange habe ich \u00fcber diesen Spruch nachgedacht, und mit jeder Stunde gewinnt er mehr an Sympathie, mehr an Wirklichkeit. Wenn ich also einmal annehme, dass ich nicht wissen kann, was schreiben denn dann all die Autoren in ihren B\u00fcchern? Schreiben sie vielleicht nur etwas \u00fcber DAS, streifen sie vielleicht nur einen kleinen Ausschnitt von DEM, beschreiben sie nur einen winzigen Teilaspekt eines Gr\u00f6\u00dferen? Und wenn dann jeder Autor einen Teilaspekt beschreibt, und ich viele Autoren, also auch viele Teilaspekte kenne, dann&#8230; und mir kam das Bilds eines Puzzles in den Sinn, und ich begann weiter zu suchen, und ich suche und suche und suche&#8230;<\/p>\n<p>Vieles wurde mir auf dieser Suche klarer, vieles von dem, was ich fr\u00fcher nur erahnen, h\u00f6chstens noch erf\u00fchlen konnte, kann ich heute in Worten beschreiben. Und doch sind die geschlossenen T\u00fcren nicht weniger geworden, sind die meisten Fragen ungel\u00f6st. Zieht man Unendlich von Unendlich ab, bleibt Unendlich \u00fcbrig. So einfach ist das in der Begrifflichkeit, im Leben aber bedeutet es, vor einem Abgrund zu stehen. Ich habe mich gew\u00f6hnt an dieses Loch vor mir, und ich habe keine Angst mehr davor, hineinzuschauen, aber springen? Nein! Das ist etwas ganz anderes. Dazu reicht mein Mut noch nicht aus. Um zu springen muss ich abgeschlossen haben mit diesem Sein, muss ich das Gef\u00fchl haben, getan zu haben, was ich tun konnte, muss ich zu der \u00dcberzeugung finden, das alles das, was bleibt, springen ist, das alles getan ist au\u00dfer dem einen. Und so ist mein spiritueller Weg der, zu tun, was noch getan werden muss. Bis dahin, bis alle Schmerzen erlebt, alle Gef\u00fchle erfahren, alle Leiden durchlebt wurden, bis wirklich alles getan ist, bis dahin ist noch ein weiter Weg. Mir hilft das Wissen um diesen Abgrund, weiterzugehen, hilft dieses Wissen, das Leben zu leben, es zu leben, so wie es ist. Und eines Tages werde ich wieder vor dem Abgrund stehen, und dann\u00a0 werde ich\u00a0 wissen, dass jetzt alles getan ist, werde wissen, dass jetzt nichts zu tun bleibt, als&#8230;, und dann werde ich springen, um auch die letzte Antwort zu erfahren auf die letzte Frage, die dann noch offen sein wird:<\/p>\n<p>Was ist das, dass still ist in mir?<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F570&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F570&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=570\" data-timestamp=\"1513438203\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D570&text=Wir%20haben%20die%20Wahl%2C%20manchmal%E2%80%A6\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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