{"id":38,"date":"2017-07-12T20:47:59","date_gmt":"2017-07-12T20:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.com\/?p=38"},"modified":"2019-01-09T14:14:10","modified_gmt":"2019-01-09T14:14:10","slug":"eine-wolke-erscheint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=38","title":{"rendered":"Eine Wolke erscheint&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>G<\/strong>erade zieht eine dicke Regenwolke \u00fcber unseren Himmel, und ich f\u00fchle mich, als ob diese Wolke mich verschlie\u00dft, mir nicht gestattet, mit der Welt um mich her im Austausch zu paktieren. Es staut sich in mir, und meine Sch\u00e4deldecke scheint sich zu w\u00f6lben wie ein Deckel eines Topfes, der, festgehalten von st\u00e4hlernen Klammern, dem Druck des brodelnden Dampfes nur langsam nachgibt. Es ist feucht und schw\u00fcl, und der st\u00e4ndige Wechsel vom Licht der Sonne, wenn sie durch die Wolken bricht, und der D\u00fcsternis dieser Wolke, die ein Durchbrechen des Lichts verhindert, reizt die Augen, l\u00e4sst sie st\u00e4ndig tr\u00e4nig feucht erscheinen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>W<\/strong>ie das Wetter drau\u00dfen, so erlebe ich auch mein Gem\u00fct. Die dunkle Wolke treibt auch hier ihr Spiel, l\u00e4sst mich erschauern und erzittern. Es ist ungem\u00fctlich und anstrengend, diesem Wechsel unterworfen zu sein, zu vielf\u00e4ltig und hintergr\u00fcndig sind die Gedanken, alles staut sich auf, als w\u00e4re ein Abfluss verstopft. Und doch verweigert sich etwas in mir einer der L\u00f6sungen, die sich aufdr\u00e4ngen und sich st\u00e4ndig in den Vordergrund schieben, die rufen: was soll\u2018s, es ist doch eh egal&#8230; und es kommt doch anders, als man denkt&#8230;, und was willst du eigentlich, du bist doch&#8230;, und du musst Geduld haben&#8230;, und was sonst noch&#8230; Denn nichts ist ganz so egal, genauso, wie nichts so \u00fcberaus wichtig ist, und ich f\u00fchle eine S\u00e4ttigung dar\u00fcber, f\u00fcr und wider immerzu gegeneinander aufzurechnen.<\/p>\n<p><strong>E<\/strong>s sollte doch ganz einfach sein, und ich h\u00f6re und lese dies so oft, dass ich schon lange nicht mehr wei\u00df, wo mir dies zu ersten Mal begegnete. Alles ist gut so wie es ist, hei\u00dft es da, und dein Problem beruht nur auf der Tatsache, dass du ein Problem siehst, wo kein Problem ist. H\u00f6re auf, das Problem zu denken, und dein Problem verfl\u00fcchtigt sich wie der Gedanke, der es schuf. Das klingt paradox, und gerade daher erscheint es richtig zu sein, denn wenn die Realit\u00e4t nicht mehr helfen kann, erscheint das Paradoxe als sein Gegen\u00fcber doch der L\u00f6sung n\u00e4her. Und doch, auch dieser Ansatz erscheint letztlich so falsch, wie er nur sein kann, denn er verschiebt alles nur ins andere Extrem, sch\u00fcttet das Bad aus samt dem Kinde darin.<\/p>\n<p><strong>W<\/strong>as w\u00e4re eigentlich, wenn alle Ans\u00e4tze zur L\u00f6sung falsch sind, es den richtigen Ansatz nicht gibt, und wenn daher genau das Falsche zu tun, immer wieder und immer wieder, erst zu der Einsicht f\u00fchrt, die das Problem, oder besser noch jedes Problem, f\u00fcr immer verbannt. Ist die Einsicht vielleicht die Erkenntnis der Unvollkommenheit und Bedingtheit des Lebens? Ist dieser sich st\u00e4ndig wiederholende Irrtum dem Menschsein eingegeben? Ist dies vielleicht die Lektion, die es hier und heute zu lernen gibt?. Und wenn dies so w\u00e4re, sollte dann nicht die Einstellung eines Kindes, das laufen lernt, das Vorbild hierf\u00fcr sein: Lachen, wenn es steht, und weinen, wenn es f\u00e4llt? Und ist Gleichmut dann nicht eine Krankheit, die Erkenntnis zu verbergen sucht, weil diese Leichtigkeit und Anstrengung, Lachen und Weinen, Freude und Leid, und letztlich alle Gegens\u00e4tze einschlie\u00dft?<\/p>\n<p><strong>D<\/strong>ie Wolkendecke lichtet sich, und drau\u00dfen kommt die Helligkeit der Sonne zum \u00dcberwiegen. Und auch der Druck im Kopf scheint, mit etwas Verz\u00f6gerung zwar, der Helligkeit zu weichen. Ist es nicht seltsam und staunenswert, das eine vor\u00fcberziehende Wolke am Himmel das Gem\u00fct derart verdunkeln kann, und das zwei so unterschiedliche Wesenheiten so eindeutig partizipieren. Und wenn dies so ist, wie fest und verschwei\u00dft m\u00f6gen dann die vielen anderen Dinge sein, die zu unterscheiden wir gewohnt sind; und wie gro\u00df wird unsere Geduld und unser Ausharren sein m\u00fcssen, um dieses letztlich zu ergr\u00fcnden? Ich f\u00fchle mich klein und schwach, und doch erscheint dieses mir mehr und mehr in aller Klarheit: Die gro\u00dfe Kraft des Ganzen sollte auch mich durchflie\u00dfen k\u00f6nnen, so wie diese Wolke, die, als sie mein Gem\u00fct ersch\u00fctterte, mich durchfloss!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>HS (15.08.2000)<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F38&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F38&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=38\" data-timestamp=\"1547043250\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D38&text=Eine%20Wolke%20erscheint%E2%80%A6\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D38\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span data-service=\"facebook\" style=\"color:#3b5998\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade zieht eine dicke Regenwolke \u00fcber unseren Himmel, und ich f\u00fchle mich, als ob diese Wolke mich verschlie\u00dft, mir nicht gestattet, mit der Welt um mich her im Austausch zu paktieren. 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