{"id":361,"date":"2016-06-26T12:36:32","date_gmt":"2016-06-26T12:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.eu\/?p=361"},"modified":"2019-01-09T14:21:50","modified_gmt":"2019-01-09T14:21:50","slug":"es-gibt-viel-nachzudenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=361","title":{"rendered":"Es gibt viel nachzudenken\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt viel nachzudenken, denn die Stimmungsfarben der Erinnerung verblassen mehr und mehr und mit den Jahren kommt die Zeit der Aufgaben immer n\u00e4her. <!--more-->Aufgaben sind aufzuarbeiten, solange die Farben noch leuchten und nicht im Dunkel des damals versinken, und aufarbeiten hei\u00dft aufgeben. Die Neigung, festzuhalten ist m\u00e4chtig, Energie und Raum sind zwar unendlich im Sein, aber begrenzt f\u00fcr ein Wesen. Somit erf\u00fcllt eine Aufgabe immer beide Perspektiven der Begrifflichkeit, die stets mit l\u00f6sen beginnt und die mit davon sich l\u00f6sen endet. Dualit\u00e4t und Begrifflichkeit sind m\u00e4chtige Werkzeuge des Denkens, aber sie haben immer mehrschneidige Kanten. Denken wie es vorherrscht bevorzugt die Reflexion der Vergangenheit, die \u00fcber die Gegenwart in die Zukunft projiziert. Und sp\u00e4testens dieser Satz trennt die Inhalte des Denkens in mindestens zwei Portionen. Da ist einerseits das Wissen, das ganz klar Bilder, Schlussfolgerungen, Ableitungen und Formel aufweist und einen Blick in die Zukunft zul\u00e4sst, und da ist die Erfahrung, die stets nur gegenw\u00e4rtig gelebt werden kann und unabl\u00e4ssig der Ver\u00e4nderung unterworfen ist.<\/p>\n<p>Wissen und Erfahrung sind nie in Reinform vorhanden, sondern treten stets durchmischt auf. Zweitausendf\u00fcnfhundert Jahre Philosophie-Geschichte legen Zeugnis davon ab, das Reinformen nicht verwirklichbar sind. Und hier sehen wir auch, welche Steine dem nur schlussfolgernden Denken einerseits und dem rein intuitiven Denken andererseits in den Weg gelegt sind. Wenn aber immer nur Mischformen vorliegen, muss es immer irgendwo eine Schwelle geben, wo erinnern und erf\u00fchlen ineinander flie\u00dfen. Diese Schwelle zu finden jeden Tag aufs Neue ist eine erste, individuelle Aufgabe, die zu l\u00f6sen ein sich zu l\u00f6sen erm\u00f6glicht. Erfahrung zeigt sich in vielen Formen. Die einfachste Form ist die des Lebens an sich, die im Todeskampf und im Lebenswillen sich \u00e4u\u00dfert. Gewaltig, unerbittlich wird hier Wissen und Erfahrung der Vergangenheit ignoriert zugunsten neuer, vollkommen unerprobter Verhaltensweisen. Sucht und das was wir so nennen zeigt immer in diese Richtung, und wir alle sind s\u00fcchtig, sei es nach Leben, nach Atem oder Nahrung, nach Rausch, Bet\u00e4ubung oder Freiheit. Sucht so gedacht ist m\u00e4chtiges Wissen von Erfahrung in Form eines Stromes, der sein Bett schon gestaltet hat, unaufhaltsam, rei\u00dfend, vorhersehbar. Ganz anders zeigt sich die Stimmung, die, obwohl ebenso getr\u00e4nkt von Wissen und Erfahrung, bei Regen als Fluss und bei Trockenheit als Rinnsal, keine konstante Str\u00f6mung und Kraft aufweist. Hier verschiebt sich die Schwelle, aufgrund welcher Kraft auch immer, als ein Anschwellen und Erblassen. Es ist das Ver\u00e4nderliche in der Stimmung, die uns zu schaffen macht, die mal aufr\u00fctteln, mal erbleichen l\u00e4sst und die nicht zugesteht, das Morgen vorauszusehen. Hier angesiedelt erscheint das allzu Menschliche, die St\u00e4rke im Schwachen, die Schw\u00e4che im Starken, Gezeiten mit unbekannter Ursache. Anders als die Stimmung ist die Pr\u00e4gung mehr von Dauer. Der Sucht nicht ebenb\u00fcrtig, erscheint sie mehr wie ein konstant flie\u00dfender Bach, der, von einer Quelle gest\u00e4rkt, noch auf der Suche nach Festigkeit sein Bett nicht endg\u00fcltig gefunden zu haben scheint. Hier wirkt eine in vielen Durchl\u00e4ufen gefestigte Erfahrung auf einem festen Sockel von Wissen. Die Schwelle ist zwar fest verankert, aber durch ihre Verankerung erscheint ihr Wirkungsort r\u00e4umlich begrenzt.<\/p>\n<p>Sucht, Stimmung und Pr\u00e4gung sind die drei Pfeiler der Erfahrung. Sie sinnvoll leben zu k\u00f6nnen hei\u00dft sie kennen und unterscheiden zu k\u00f6nnen. Ein unterscheidendes &nbsp;Kriterium dazu ist Stetigkeit, ein zweites Kraft, ein drittes Vorhersehbarkeit. Sch\u00f6n w\u00e4re ein stetig gespeister Fluss im Bett eines Stromes, mal anschwellend, mal locker flie\u00dfend, aber immer in F\u00fclle und Bewegung, ein stetiges Flie\u00dfen in festen Bahnen dem Ozean entgegen. Leben ist Gestalten, auch wenn Extreme gemieden werden. Nur noch ein Bach der Pr\u00e4gung zu sein ist schon lebendiges Sterben. In der Jugend ein Bett sich gegraben habend, sollte Altern ein steter Fluss werden und niemals Erl\u00f6schen im Rinnsal sein. Dann noch irgendwann die drei Pfeiler zu \u00fcberwinden und nur Ozean zu sein, der zum Ziel erl\u00f6ste Fluss, das w\u00e4re die letzte Aufgabe, die ein letztes Aufgeben beinhaltet. Dann ist Stille, sagen die Gelehrten, ein sch\u00f6ner Gedanke\u2026<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F361&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F361&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hpsperzel.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div><div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https:\/\/hpsperzel.de\/?p=361\" data-timestamp=\"1547043710\" data-backendurl=\"?rest_route=\/shariff\/v1\/share_counts&\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D361&text=Es%20gibt%20viel%20nachzudenken%E2%80%A6\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fhpsperzel.de%2F%3Fp%3D361\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><span data-service=\"facebook\" style=\"color:#3b5998\" class=\"shariff-count shariff-hidezero\"><\/span>&nbsp;<\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt viel nachzudenken, denn die Stimmungsfarben der Erinnerung verblassen mehr und mehr und mit den Jahren kommt die Zeit der Aufgaben immer n\u00e4her.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":96,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[3],"tags":[23,24,25],"class_list":["post-361","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-lebensweisheiten","tag-erfahrung","tag-praegung","tag-sucht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=361"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":626,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361\/revisions\/626"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hpsperzel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}