Gedankensplitter, Teil 01
Hier in diesem Artikel und unter dieser Überschrift finden sich in unzusammenhängender Form Gedankensplitter zusammen, die zu kommunizieren oder zu veröffentlichen in einem Artikel nicht genügend Tiefe und Umfang besitzen und die mir so in den Kopf schießen, einfach, weil ich jemand getroffen, mit jemand geplaudert, etwas gelesen oder mit etwas konfrontiert wurde, ohne das sich daraus einschneidende Wirkungen für mich ergeben haben. Ich beschäftigte mich nur eine Weile mit diesen Gedanken, ohne Entscheidungen fällen, Maßnahmen einzurichten oder mein Lebensgefüge beeinträchtigt zu sehen. Sie bringen nur zusätzliche Klarheit in mein Denken, weil sie mich nötigen, bisher Unausgesprochenes in Worte zu fassen. Es sind einfach nur in sich abgeschlossene Gedankengänge ohne größeres Wirkpotential für meine Zukunft und Gegenwart.
Da es viele dieser kleinen Gedankengebäude gibt, die durchaus Stoff für eine Weitergabe haben, werde ich hier künftig jeweils so vier bis sechs Beschreibungen unter dem Motto „Gedankensplitter“ – bekommt eine eigene Kategorie – einstellen.
Energiepotentiale
Nach nunmehr vollendeten acht Jahren im Ruhestand scheint etwas mehr Ruhe eingekehrt zu sein in meinem Leben, denn sowohl die Träume als auch die Tage mit ihren Inhalten werden freundlicher. Auch erinnere ich mich nicht mehr der vielen Details, die in meinem Berufs- und Arbeitsleben so wichtig waren und so gibt es Platz für anderes, dachte ich lange Zeit, aber dem ist nicht so, denn der Platz scheint einfach nur zu verschwinden und steht nicht mehr zur Verfügung. Weiterhin vermisse ich die enorme Energie, die mein Berufsleben so mit sich brachte, da ich besonders in den letzten Berufsjahren energetisch sehr aufwendig gegen ein Bossing-System ankämpfen musste. Zorn ist energiereich, Wut ebenfalls, und seit ich mein eigener Herr bin, fehlen diese Energiepotentiale im System und haben mich deutlich ruhiger gemacht. Das kommt nicht immer gut bei mir selbst an. Die Jahre des ständigen Kampfes scheinen wohl vorbei zu sein, Rente und Pension kommen regelmäßig auch ohne mein Zutun und ein hoher Energiepegel ist nicht mehr von Nutzen.
Diskurse
Mir fallen immer mehr Positionen ein, die allgemein in der Gesellschaft anerkannt und als selbstverständlich gelten, die in meinen Augen so nicht mehr vertretbar erscheinen und hinterfragt werden müssten, nur finde ich meist mit meinen Argumenten keine sinnvolle Beteiligung bei den Wenigen, die überhaupt noch bereit sind, über solche Fragen zu diskutieren. Es sind überwiegend Fragen, die direkt oder indirekt mit Krieg, Völkerverständigung, Gerechtigkeit oder Machtmissbrauch zu tun haben. Wenn ich denn mal eine Diskussion einleiten kann, verschwinden sehr schnell die übergreifenden Themenkomplexe in kleinlich zusammengestellten Detailfragen und der überschaubare Zusammenhang geht verloren. Die Diskussion verflacht schnell in individuell ausgestalteten Einzelthemen und endet meist in einer Gesprächsform, die man gewöhnlich als Plauderei bezeichnet: Jeder erzählt von sich, auf streitbare Aussagen des anderen wird weder eingegangen noch wird auf sie bezogen nachgehakt. Aus meiner Sicht ist diese Verflachung der Streitkultur einer der Gründe, die aus einer Demokratie eine Ochlokratie machen, was eine Gesellschaftsform des Mobs bzw. einer Mehrheitsfraktion bedeutet. Hierin sehe ich zur Zeit zumindest die größte Gefahr für unsere Gesellschaften. Wir bräuchten wieder Diskurse, die der Definition einer Streitkultur Rechnung tragen, wie sie in einer Demokratie notwendig sind.
Krieg und Technik
Wir Menschen gehen immer mehr dazu über, Technik für Bereiche einzusetzen, die bisher in dem Bereich angesiedelt war, der einzig dem Menschen als Wesen oder der Natur als Grundlage zugeordnet war. Die wohl prägnantesten dabei sind wohl die neuen Formen der Kriegsführung und die Entwicklung der KI. Wir haben in früheren Zeiten und in gewisser Weise bis heute geltend Krieg als eine Tätigkeit angesehen, in der Menschen mit Schneid- und Stichwerkzeugen aufeinander losgegangen sind. Heutige Systeme, mit Ausnahme der Gruppen, die Terror betreiben, die also nach wie vor noch immer Menschen zu töten beabsichtigen, sind Kriege in der Regel dazu übergegangen, Infrastrukturen zu zerstören und große Menschenopfer zu vermeiden. Unser Sport heute trägt der alten Weise der Kriegsführung ja noch immer Rechnung, und ich erkenne auch, das dieses Denken nach wie vor in der großen Masse vorherrscht: Kriege werden nach wie vor mit Morden und Töten verknüpft. In Wirklichkeit aber treffen und zerstören Kriege heute in der Regel nicht nur mehr Menschen und Infrastruktur, sondern werden zunehmend mit Mitteln geführt, die keine greifbaren und beobachtbaren Wirkungen entfalten. In Kriegen heute geht es vermehrt um Zugänge zu Handelswegen und Rohstoffen, geht es um Handelsvereinbarungen, geht es um finanztechnische Mittel, geht es um Diskreditierungen und Entmenschlichungen und zeigen damit Wirkungen, die nicht direkt und immer zum Tod, sondern eher zur Verarmung führen werden/sollen. Die Verarmung der Massen sind die heutigen Ziele, die Kriegsführungen und die Betreiber dieses Geschäfts beabsichtigen und mit der die bestehenden Machtfraktionen der Welt, die Kriege in Auftrag geben, sich am Ruder zu halten versuchen.
Und in der KI sehe ich eine Entwicklung, die die Anforderungen und Notwendigkeiten früherer Formen der Arbeit nachahmt und die somit die Arbeit des Menschen zu ersetzen beabsichtigen. Maschinen – auch menschenähnliche – sollen bald die einfache Arbeit des Alltags erledigen und virtuelle Maschinen übernehmen bereits erkennbar die aufwendigen Arbeiten der Wissensträger und Verwalter. Sie rufen bestehendes Wissen ab und gestalten alle möglichen Berichte wie Nachrichten, ersetzen die recherchierende Arbeit von Kommentatoren und Journalisten und erstellen im Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb Übersichten und detaillierte Recherchen.
Nur, und das ist die Frage, die nicht gestellt wird, mit Ausnahme vielleicht in Asien: Wie müssen Gesellschaftssysteme gestaltet sein, damit ein Zusammenleben von großen Menschenmassen und die Verteilung der notwendigen Güter in friedfertiger Form gewahrt bleibt? Arbeit kann dann ja wohl dann nicht mehr wie heute die Basis des Gesellschaftslebens sein. Menschen brauchen nicht nur eine Versorgung, sondern auch einen Lebensinhalt. Vermehren, konsumieren und heutige Freizeitbeschäftigungen werden selbst in der Summe die Arbeit nicht ersetzen können. Viele heute bereits bestehende Perversionen und Gepflogenheiten (Private Autorennen auf öffentlichen Straßen, extreme Erotikformen, gesundheitsschädigende Suchtverhaltensformen, übertriebene Karriereinvestitionen, aufwendige und gefährliche Hobbys, Aktivität in zersetzenden Dogmenorganisationen und andere leere Beschäftigungen) beruhen doch wohl auf dem Fehlen von Sinninhalten der betroffenen Menschen und dem oft verzweifelten Versuch, Ersatz für den Mangel zu finden. Lebenslanges Lernen, einst eine Grundlage jeder Kultur, wird ersetzt durch die Abrufbarkeit jeglichen Wissens übers Internet. Das aber nicht alles im Internet verfügbar sein kann, weil vieles gar nicht erlernt und beschrieben, sondern nur erfahren werden kann, wird selten erkannt. Gerade die Gesellschaften der technisch hochentwickelten Länder zeigen doch heute schon entsprechende Zerfallsformen, und sie werden sich weiter ausbreiten, wenn wir weiterhin Sinninhalte reduzieren und vernichten.
Lüge
Wenn wir ganz aufmerksam die Medienwelt beobachten, werden wir immer mehr zu der Überzeugung kommen müssen, das unverhältnismäßige Verkürzungen in der Beschreibung einer Thematik immer mehr in Mode und damit in den Alltag der Bevölkerung einfließen. Manche Verkürzungen sind sogar schon so kurz, das die Inhalte des Geschriebenen und Gesagten bereits von der Halbwahrheit durch Auslassungen bis zur Lüge reichen. Ganz besondere Motive dieser Thematik finden wir in der Politik, den Medien, in der Wirtschaft, in den Gesundheitssystemen und sogar bereits im Sport, wo so selbstverständlich gesehene Grundsätze wie „Kein Doping“ auch schon nicht mehr gelten. Wenn ein Schwimmer in den Dopingweltmeisterschaften mehr Geld verdienen kann als im klassischen Sport: Warum sollte er dann auf die Hilfe der Chemie verzichten? Was den Menschen vor allen anderen Lebewesen auszeichnet ist doch wohl seine Fähigkeit zu kommunizieren. Das damit auch die Möglichkeit erworben wird, zu lügen und mit Schauspielerei zu betrügen, kann man ohne großen Aufwand Tag für Tag ohne Mühe beobachten. Wenn aber kommunizieren auch eine Missbrauchsmöglichkeit mit sich bringt, warum wird dann diese Form des Gesellschaftsspiels immer weiter verfeinert? Mittlerweile sind wir doch schon so weit, das alle Verfahren, die Richtigkeit einer Aussage zu verifizieren, bereits durch Technik wie z.B. KI konterkariert werden kann. Wollen wir immer weiter in den Lügenstrom hineingeraten und damit mehr und mehr der Unsicherheit (Das ist per se schon ein doofes Wort…) anheimfallen sprich der Gewissheit entfliehen und ein Leben in Verunsicherung (Das ist ebenfalls per se ein weiteres Unwort) sprich Ungewissheit führen? Worauf begründet sich diese Mode? Gab es nicht mal ein Sprichwort: Wer einmal lügt dem glaubt man nicht, selbst wenn er dann die Wahrheit spricht? Wurde das vergessen, ignoriert, als falsch enttarnt oder wie kann ich mir das vorstellen? Wir werden jeden Tag im Dutzend belogen, betrogen und hinters Licht geführt. Allein schon die Werbung, allerorten zu sehen in Schildern und sogar auf Kleidung, belügt uns Stunde um Stunde. Weiter geht es in Berichten, in Nachrichten und anderen unterhaltsamen Medienobjekten. Und die Besten des Volkes, die für alle die Gesetze machen und diese bewachen, haben mit Wahrheit doch auch nicht mehr viel am Hut. Da reichen doch schon die Balken, die sich nur biegen sollten, nicht mehr, um das Haus in Form zu halten. Und kann man den Erzählungen der Mitmenschen noch vertrauen? Wie viel davon ist Wahrheit, und wo beginnt der Selbstbetrug? Reicht das Erreichte nicht langsam, um zu erkennen, was Lüge wirklich ist? Das zu ignorieren und zu übergehen ist keine Lösung, sondern Aufgabe in Sinne von Niederlage.
Ziele der Menschen
Was sind denn eigentlich die wirklichen Ziele der Menschen heute, und das in weltweiter Perspektive? In den überwiegenden Fällen geht es doch wohl nur noch um „Haben wollen“ und „Sein können“. Das hat allerdings wesentliche wirtschaftliche Auswirkungen. Nach vorsichtigen Schätzungen verbrauchen die 50 Staaten des Westens zur Erfüllung ihres Traumes etwa 40% der weltweiten Ressourcen. China und Indien mit jeweils 1,4 Mrd. Menschen streben in die gleichen Verbrauchsgrößen. Zusammengenommen verbrauchen diese drei Menschengruppen allein schon 120% der weltweiten Ressourcen. Und wovon leben die anderen 4 Mrd. Menschen? Wenn diese ebenfalls so frei und reich leben wollen sind weitere 120% notwendig. 240% aber sind etwas mehr als da ist und verbraucht werden kann. Das Ergebnis sehen wir im Kleinen auf den Osterinseln: Irgendwann ist der letzte Baum gefällt und ein Leben ist nicht mehr möglich. Nun können wir dafür folgende Lösungen anbieten: Als Erstes erscheint hier die Reise in den Weltraum, um entweder neue Lebensräume oder weitere Ressourcen zu erschließen. Das ist mit Stand der Technik und Wissenschaft wohl in absehbarer Zeit nicht möglich. Wir haben ja schon Schwierigkeiten, auf unseren Trabanten sprich Mond zu kommen geschweige denn dort Ressourcen abzubauen. Dann könnten wir Zweitens natürlich die Menschheit reduzieren. Das geht mit großen Epidemien, mit Naturkatastrophen oder mit Kriegen. Bei obiger Berechnung also müssten somit deutlich mehr als die Hälfte der Menschheit zum Opfer werden. Das haben aber alle drei Erscheinungen selbst in der Summe bisher noch nie geschafft. Wir bräuchten dazu wesentlich tödlichere Viren, müssten Wetter und geologische Erdkrusten-Veränderungen, Meeresströme und Luftzirkulationen in ihrer Wirksamkeit erweitern und in den Kriegen deutlich wirksamere sprich tödlichere Waffen einsetzen, die allerdings nicht wie die Atombomben die Ressourcen für den Menschen unbrauchbar machen. Alle drei Sparten der Menschenvernichtung werden ja bereits ausgiebig und mit großen Mitteln erforscht und immer mehr verfeinert. Wir könnten Drittens neue Techniken des Recycling, der Nahrungsmittelherstellung und der Energiegewinnung erfinden und damit die Ressourcen so weit erweitern, das die 240% möglich würden. Auch damit befasst sich die Menschheit weltweit bereits ansatzweise, aber die Motive dazu scheinen noch nicht so in der Breite verstanden zu werden, das hier absehbare Erfolge erzielt werden könnten. Eine vierte Möglichkeit würde dadurch möglich, das sich die Menschen in ihrer Gesamtheit entschließen würde, über ein bis zwei Generationen hinweg weniger Nachwuchs in die Welt zu setzen. Dazu gab es in China bereits Versuche, die ziemlich deftig gescheitert sind. Da waren die Rahmenbedingungen, die so etwas verwirklichen könnten, wohl nicht mit den Wünschen der Menschen vereinbar.
Wenn ich mir die Weltlage heute so anschaue, wird es wohl auf die Virenversion oder mehrere große Kriege hinauslaufen. Ich persönlich würde gerne die vierte Möglichkeit bevorzugen. Dafür gäbe es Einsicht oder Reichtum als Motiv, um die Menschen dazu zu gewinnen. Alle reichen Staaten der Erde haben bereits ein Vermehrungsrate von weniger als zwei Kinder pro Frau. Also müssten die armen Staaten der Welt ebenfalls reich werden. Das aber lassen die Ressourcen der Welt nicht zu. Dann könnten natürlich auch die reichen Staaten arm werden, aber das würde dann Reichtum als Motiv ausschließen. Verbleibt also nur die Einsicht als Motiv. Aber da sehe ich noch nicht einmal ansatzweise einen Anfang, im Gegenteil, wir scheinen uns diesbezüglich eher zurückzuentwickeln. Was bliebe also zu tun? Ich weiß es nicht.
Sinnkrise
Wir in Europa und ganz besonders in Deutschland haben, zumindest was die mittelalte und ältere Generation angeht, eine Sinnkrise. Das ist unverkennbar, denn anders lassen sich die seltsamen Krisen und Ursachen derselben in nahezu allen Motiven des Lebens nicht erklären. Ich komme dabei immer mehr zu der Überzeugung, das hier unsere mentale Struktur uns einen Streich spielt, denn der jungen nachwachsenden Generation fehlt es an Erfahrung, der mittleren Generation an Kampfgeist, der alten Generation an Lernbereitschaft und die ganz Alten unter uns können nicht mehr auf dem Stand der Technik sein. Es mag ja sein, das unter uns auch Menschen leben, die sich in dieses Raster, das zugegeben grob gestrickt ist, nicht einpassen lassen, aber ihre Zahl ist so niedrig, das ihre Wirkkraft noch sehr eingeschränkt bleiben muss. Besonders in Führungspositionen wird ja zunehmend eine Motivation verlangt, die kritisches oder gar analytisches Denken gar nicht mehr zulässt und die sich sozusagen mit Scheuklappen am Kopf durch ihre Aufgaben wühlen müssen. Es geht um die Umsetzung von am Reißbrett entstandenen Plänen, vorgegebenen Doktrin, fremdgesteuerten Vorgaben und natürlich um eine wie immer auch gefasste Laufrichtung, die scheinbar so ausgerichtet sein muss, das sowohl der innehabende Posten als auch die Funktion des Bestehenden in Bezug zu Karriere und Lobbyismus nicht ins Wanken gerät. Das alles sind innovationsfeindliche Ausrichtungen, die außer festhalten und „immer weiter so“ nicht mehr anpassungsfähig sind. Verantwortung wird ausgewichen und unkenntlich gemacht, und niemand traut sich mehr, „um die Ecke herum“ zu denken oder wenigstens einmal gezielt in die Tiefe der Strukturen zu schauen. Was scheinbar nur noch zu gehen scheint ist, das man entweder mit viel Geld und neuen Schulden die Lücken zu schließen versucht, was neue, noch viel tiefere Lücken ins System einbringt und so die Krisen noch weiter ausdehnt und verschleppt oder die großen Masse der Menschen immer größere Einschränkungen der Freiheit auferlegt. Wir müssten einsehen, das angesichts der immensen technischen Entwicklungen, die schon wegweisend angefangen haben, wir nicht an den bisherigen Verfahren festhalten können. KI wird nie mehr verschwinden oder gezügelt werden können, auch die Waffentechnik wird sich immer weiter entwickeln. Die Szenarien, die sich als Gau oder gar als Supergau-Ereignisse ankündigen, werden nicht zurückgedreht werden können. Der Abgrund, an dem wir stehen, wird nicht einfach verschwinden. Wir müssen schon grundlegende Änderung im System aller Lebensbereiche initiieren, um auch nur einen Schritt vom Abgrund zurücktreten zu können. Dazu bedarf es einer breitgefächerte Lern- und Disputbereitschaft, was nichts anderes bedeutet als die Bildung über alle Altersgruppen hinweg deutlich in der Prioritätenliste nach oben zu setzen. Alle erwachsenen Bürger unseres Staates sind Wähler und bilden zusammen den Souverän. Das nennt sich Demokratie. Da kann und darf sich niemand mehr ausruhen und wartend zurücklehnen, wie das gerade so in Mode ist. Wir müssen alle, auch die Alten, erneut lernen, zu lernen. Nur wenn wir begreifen, was droht, kann eine Änderung angegangen werden. Die Alternative ist einfach: Einen Schritt weiter Richtung Abgrund wird sonst alle Probleme für uns lösen. Mit uns verschwinden dann auch unsere Probleme und Krisen im Abgrund. Manchmal vermute ich im Stillen, das diese allerletzte Strategie schon von einigen Lenkern und Sammlern gedacht und verfolgt wird. Sie planen doch schon ihre Ausweichquartiere auf Mond und Mars, wollen schon bald ein Atomkraftwerk und Bauten auf dem Mond errichten und reisen auf Raketen festgeschnallt in den Weltraum. Das sind doch keine netten Ausflüge, sondern ist schon von den Anforderungen her Stress pur. Ich liebe solche Verschwörungstheorien immer mehr, seit sich der Trend abzeichnet, das immer mehr derselben sich als real existierend herausstellen.
Prioritäten- und Beziehungspyramide
Wenn ich so in der gemütlichen Plauderei des Gesellschaftslebens gefragt oder angesprochen werde, wie ich meine ganz persönlichen Krisen zu handhaben pflege – Eine Frage, die oft nicht offen gestellt wird, sondern sich in der Plauderei verborgen vorgetragen wird. – antworte ich oft mit der Darstellung meiner Prioritäten– bzw. meiner Beziehungspyramide.
Beginnen möchte ich mit der Ersten, den Beziehungen und ihrer Einordnung. Ganz oben steht hier für mich die Lebensgemeinschaft mit Partner oder Partnerin, was Freundschaft, Vertrauen und eine umfassend Nähe-Akzeptanz einschließt. Darunter auf der zweiten Ebene befinden sich richtige Freunde, das sind für mich Menschen, die sich untereinander einfach mögen und die ganz ohne Grund sich treffen, beisammen sein wollen und auch bei Bedarf zum Zueinanderzustehen bereit sind. Nur das sind für mich Freunde, und da ist es egal, ob es sich auch um Verwandte, Kollegen oder andere Bezugspersonen handelt. Die dritte Ebene ist bereits für mich sehr abgespeckt. Da befinden sich Menschen, die einen Bezug zueinander haben, der von Verwandtschaft, Arbeitskollegialität, Nachbarschaftsverhältnissen bis zu Sport- und Vereinskollegen reicht und die sich niemand wirklich aussuchen kann. In der vierten Ebene sind dann Menschen ganz allgemein angesiedelt, zu denen ein Bekanntheitsgrad entwickelt ist. Man hat sich irgendwann und -wo mal gestreift und ist sich über den Weg gelaufen. In der fünften Ebene sind alle Menschen eingeordnet, zu denen bisher so gut wie kein Kontakt hat stattfinden können, weil man sich nie wirklich begegnet ist. Hier ist Höflichkeit und Toleranz das allgemeine Prinzip. Und darunter befindet sich dann die sechste und letzte Ebene. Hier ordne ich die Menschen ein, die sich mir persönlich gegenüber aggressiv, feindlich, schädigend und extrem eigennützig verhalten haben und mit denen ich nichts, absolut nichts mehr zu tun haben möchte. Hier ist dann für mich der Faden gerissen und keine Nähe mehr möglich. Und da gibt es auch keine Absolution mehr, nur noch Gleichgültigkeit, welche allerdings ein allgemein und auf alle anzuwendendes Mitgefühl einschließt. Und bitte, Hass, Missgunst und Rache sind Motive, die nur der Person schaden, die diese Gefühlswallungen in sich trägt. Das sind für mich Gefühle, die ich bei mir nicht zulassen kann.
Ähnlich aufgebaut, nur kleiner strukturiert und unschärfer gestaltet, ist die Prioritätenpyramide, die bei mir als Grundlage für Entscheidungsprozesse dient. Die Spitze der Pyramide und daher ganz oben steht das Leben und das Lebensgefühl an sich. Alle weitreichende Entscheidungen, die ich treffe, müssen durch diese Prüfung hindurch, müssen sicherstellen, das sie für mein Leben und mein Sein keine schädigende und behindernde Einflüsse in Gang setzen. Natürlich lassen sich hier und da Einschränkungen nicht vermeiden. Darum geht es nicht. Auch sind Mut und das Motiv „Da muss ich jetzt durch“ durchaus akzeptabel, sofern beide bestimmte ungeschriebene Grenzen nicht überschreiten. Nicht alle Entscheidungen sind ja frei in ihrer Gestaltung, und oft sind die verbleibenden Möglichkeiten sehr begrenzt. Wagemut und das berühmte Spiel, „alles auf eine Karte setzen“ sind für mich keine Entscheidungsmotive. Sie sollten nur ganz selten bis nie zum Zuge kommen dürfen.
Die zweite nicht unwesentliche schwächer gestaltete Ebene darunter steht unter dem Motiv Freiheit, und hier ist sowohl die Meine als auch die Anderer gemeint. Das Motiv lässt sich wie ihre Überschrift schwer beschreiben, da Freiheit eine Nähe zu Weisheit besitzt und sich beide Begriffe nur schwer allgemein definieren lassen. Hier sind Situationsentscheidungen zu fällen, oft in Zeitdruck, für die es keine wirklichen Regeln gibt. Die genannten Begriffe befinden sich unausgesprochen stets im Hintergrund wirkend und sollten auch im Stillen wirksam bleiben. Die Fragestellungen dazu sind „Bin ich danach noch frei?“ und „Wäre es weise, so zu handeln?“. Mehr zu sagen darüber ist bereits „Unsinn erzählen“. Allerdings kosten Prozesse der zweiten Ebene immer Zeit und finden nur selten spontan statt. Spontanität ist ja oft eine Handlung, die sich entweder bereits vorgefertigt in der Kultur vorfindet oder aber persönlich im sogenannten Vorausdenken schon getroffen wurde. Sehr selten sind letztere damit verbunden, das sich eine außergewöhnliche Chance anbietet, auf die entweder gewartet oder auf die gehofft wurde. Den kulturell üblichen Reaktionen stehe ich angesichts der gesellschaftlichen Krisen sehr zurückhaltend gegenüber. Von daher sind Entscheidungen für mich immer mit Nachdenken verbunden. Die Dauer dieser Prozesse ist situationsabhängig. Manche lassen große Spielräume zu, andere eben nicht. Allerdings suche ich „in Eile sein“ oder „na dann eben so“-Gedankengänge zu vermeiden. Damit habe ich nur sehr schlechte Erfahrungen gemacht.
Die dritte Ebene der Prioritätenpyramide beinhaltet die gesellschaftlichen Grundzüge, denen ich nicht entfliehen kann. Dazu zählen finanztechnische Problemstellungen, die Auswahl der Beschäftigungen und Zielvorstellungen, für die ein vorgefertigtes Verhalten notwendig sind. Oftmals sind da zeitbegrenzte Aktivitäten zu nennen, ohne die sich ein wie immer geartetes Ergebnis nicht erzielen lassen. Beispiele dafür sind Vorbereitungsaktivitäten auf Prüfungen jeglicher Art, sind Sparmaßnahmen angesichts großer notwendiger Anschaffungen oder Einschränkungen, die aufgrund von Krankheit oder zur Genesung eingegangen werden sollten. Aber auch die Erfüllung von Wünschen spielen hier eine Rolle. Wenn ich doch gerne X machen möchte, wenn ich M erreichen möchte oder der Traum A zur Umsetzung möglich ist, benötige ich ein entsprechendes Verhalten. Allerdings sind hier Entscheidungen erst möglich, wenn die Ebenen Leben und Freiheit eingebunden wurden und zugestimmt haben.
Innerhalb der Entscheidungspyramide sind Überschneidungen nicht zu vermeiden, und wie gesagt spielt der Zeitfaktor ein bedeutende Rolle. Angesichts der Komplexität der Gesellschaften heute sollte sich jeder, der mit umfassenden Entscheidungen konfrontiert sieht, die sich mit Leben, Freiheit und möglichen Zielerreichungen zu tun haben, schon die Zeit dafür nehmen. Sehr oft treffe ich Entscheidungen erst einmal im Stillen, lasse sie eine Weile ruhen und hole sie dann wieder aus dem Schlaf zurück, um erneut darüber nachzudenken. Und oft haben sich die Motive um diese Entscheidung herum so einschneidend geändert, das andere Möglichkeiten sich auftun. Trotzdem muss irgendwann ein Einschwenken in einen Weg getroffenen werden, und nach dem Kommunizieren derselben gibt es keinen Weg zurück. Auch darüber muss Klarheit herrschen. Nur im Aufschieben oder im „Andere für sich entscheiden zu lassen“ sind Lebenssinn und Freiheit nicht wirksam und lassen sich Ziele nicht erreichen. Auf Glück zu setzen ist ungeschickt und oft mit Enttäuschung verbunden. Es gibt, das sagt schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung, immer Glückspilze, aber die sind selten und oftmals angesichts ihres „Glück gehabt Habens“ auch nicht immer glücklich. Ein Blick in die Medien sagt da mehr als unsere Traumvorstellungen.